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Weiblicher Akt in Architekturen

Davringhausen, Heinrich Maria

*1894 in Aachen
†1970 in Nizza, Frankreich

Weiblicher Akt in Architekturen, 1916

Öl auf Leinwand
ca. 199,5 x 100 cm

Inventar-Nr.: GV 303

Erwerbungsjahr: 2014

Foto: Bayerische Staatsgemäldesammlungen
© Renata Davringhausen

Der aus Aachen stammende Industriellensohn Heinrich Maria Davringhausen gilt als einer der Begründer und Protagonisten der Malerei der Neuen Sachlichkeit. Die Jahre 1918 bis 1921 verbrachte er in München und bildete mit Alexander Kanoldt, Georg Schrimpf und Carlo Mense den Münchner Flügel dieser Tendenz der 20er Jahre. Zur Entstehungszeit des Bildes lebte Davringhausen in Berlin im linksintellektuellen Kreis um die Gebrüder Herzfelde und George Grosz. Bereits in dieser Zeit fand der Künstler zu einer originellen gegenständlichen Motivik, bei der er expressionistische und kubofuturistische Stilelemente mit monumentalen Figurendarstellungen kombinierte. Der „Weibliche Akt in Architekturen” zählt zu den wegweisenden Übergangswerken vom Expressionismus zur Neuen Sachlichkeit, deren originelles Montage- oder Collageverfahren während des Ersten Weltkrieges Ausdruck einer Krisenstimmung und neuen Orientierungssuche ist. Das Gemälde ist als Neuentdeckung der Klassischen Moderne zu bezeichnen, da es erst Mitte der 90er Jahre bekannt wurde. Der von den Nationalsozialisten als „entartet” diffamierte Davringhausen hatte die Leinwand vor seiner Emigration nach Spanien h933 aufgerollt bei einem Freund verborgen. Das Werk kontrastiert eine übergroße Figur mit einem vielfach facettierten Hintergrund, in dem sich schwindelnde Dynamik und labyrinthischer Tiefensog ausdrücken. Davringhausen greift dafür auf Delaunays architektonische Komposition von »Saint Séverin« zurück, die in München in der ersten Ausstellung des „Blauen Reiter” berühmt wurde. Der monumentale Akt erscheint als moderne Venus oder neue Eva. Die PIN.-Neuerwerbung ergänzt die herausragende Sammlung der Neuen Sachlichkeit in der Pinakothek der Moderne, die bereits Davringhausens frühen „Lustmörder” von h9h7 beinhaltet, um ein großformatiges Werk des Künstlers. In Verbindung zu Delaunay und dem Blauen Reiter schlägt das Werk des „Magischen Realismus” einerseits die Brücke zur Sammlung des Blauen Reiter und weist mit dem monumentalen weiblichen Akt zugleich auf die ganzfigurigen neusachlichen Frauenporträts von Karl Hubbuch und George Grosz voraus.