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Tiny Deaths

Viola, Bill

*1951 in New York City/New York, USA
lebt und arbeitet ebenda

Tiny Deaths, 1993

Video/Sound Installation
Edition: 2/2

Inventar-Nr.: GV 109

Erwerbungsjahr: 1999

Ein großer dunkler Raum umfängt den Besucher, nur allmählich kann er Einzelheiten wahrnehmen. Auf drei Wände werden bewegte Gestalten projiziert. Es sind namenlose, alltägliche Menschen, die sich in Zeitlupe hin und her bewegen, nahezu taumelnd, ohne erkennbares Ziel oder eindeutige Gesten. Sie bewegen sich fließend in einem scheinbaren Nichts, kein Raum, keine Kulisse, keine Accessoires sind zu sehen. Ebenso wie die Figuren lassen sich auch die Stimmen kaum erfassen, mehr Geräuschkulisse als wirkliche Monologe oder Gespräche. In unregelmäßigen Abständen kommt es auf einer der drei Wände zu einer unerwarteten plötzlichen Veränderung: Eine der nur unscharf sichtbaren Figuren verdichtet ihre Gestalt und ist klar zu erkennen. Sie steht für einen kurzen Moment wie im Rampenlicht, das immer heller wird, bis sich die Figur in einem gleißenden Weiß aufzulösen scheint. Parallel zu diesem Vorgang schwellen die Stimmen kurz an, doch ist weiterhin nicht zu verstehen, was sie sagen. Kurz darauf wiederholt sich dieser Vorgang auf einer der anderen Wände, der Wechsel vollzieht sich ohne entzifferbaren Rhythmus. Der amerikanische Video-Künstler Bill Viola, vor allem durch seine bildgewaltigen farbigen Installationen bekannt, gab dieser Schwarzweißarbeit den Titel „Tiny Deaths“, winzige Tode. Es ginge ihm aber nicht um den Tod im eigentlichen Sinne, so der Künstler, sondern um die kurzen, seltenen Momente, in denen Menschen für einen Augenblick ganz zu sich selbst finden. Es sind im Sinne des buddhistischen Glaubens die Momente reiner Erleuchtung, die - wird man sich ihrer bewusst - bereits vergangen sind.