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Re-enactments

Alÿs, Francis

*1959 in Antwerpen, Belgien
lebt und arbeitet in Mexiko-Stadt, Mexiko

Re-enactments, 2000

Video auf DVD, Doppelprojektion mit Ton
5 min.
Edition: 1/4

Inventar-Nr.: GV 133

Erwerbungsjahr: 2002

© Francis Alÿs

Die Videoarbeit konfrontiert auf zwei nebeneinander installierten Projektionsflächen den gleichen simplen Vorgang: Gezeigt wird der Kauf einer Pistole durch den Protagonisten des Films (den Künstler selbst), der sich anschließend mit sichtbar getragener Waffe im Stadtraum bewegt, bis er nach einigen Minuten von der Polizei überwältigt wird. Während dieser Vorgang im ersten Film real abläuft und nicht absehbar ist, wie sich die Situation entwickelt, führt der zweite Film die nahezu exakte Wiederholung dieses Geschehens vor. Alÿs hat ihn kurz nach Abdrehen des ersten - und diesmal mit Wissen der im Film auftauchenden Personen - nachgestellt und damit regelrecht inszeniert. Die Authentizität des Gesehenen wird in Frage gestellt, da Zufall und Kalkül, Dokumentation und Fiktion kaum noch unterscheidbar sind. Viele der Arbeiten des in Mexico City lebenden Francis Alÿs gleichen eher offenen Unternehmungen als festgelegten bildnerischen Manifestationen. Ausgangspunkte sind zumeist alltägliche Situationen, die sich allerdings unterschiedlich auslegen lassen. Alÿs‘ Arbeiten verknüpfen nicht selten zwei verschiedene Dinge miteinander, die zwischen den gesellschaftspolitischen und kulturellen sowie künstlerischen Bezugs- und Bedeutungssystemen vermitteln. In der Arbeit „Re-Enactment“ spielt die Verdoppelung eine wichtige Rolle. Die Aktion wirkt wie ein wissenschaftliches Experiment, und dennoch löst die einfache Vorführung zweier fast identischer Szenen mehr Fragen aus als sie beantwortet. Wie erleben wir vorgeblich dokumentarische Bilder? Sind inszenierte und tatsachliche Bedrohung noch klar auseinanderzuhalten? Setzt nicht erst die permanente Wiederholung bildnerische Erfahrungsmaßstäbe und erzeugt dadurch die Bedeutung des Normalen?