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Pastor Kohl

Klee, Paul

*1879 in Bern, Schweiz
†1940 in Muralto, Schweiz

Pastor Kohl, 1932

Ölfarbe auf Nesseltuch auf Sperrholzplatte
50 × 65 cm

Inventar-Nr.: 16428

Erwerbungsjahr: 2015

Mit dem Ankauf des „Pastor Kohl” konnte 2015 mit Unterstützung von PIN. und weiteren großzügigen Spendern erstmals seit 25 Jahren wieder ein Werk von Paul Klee für die Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne erworben werden. Damit schlägt der Verein anlässlich seines 50- jährigen Jubiläums eine Brücke zu einem seiner ersten Ankäufe von 1968, Paul Klees „Das Licht und Etliches”. „Pastor Kohl” wurde direkt von den Erben nach Paul und Lily Klee angekauft. Es zählt zu den auf dem Kunstmarkt sehr seltenen und begehrten Gemälden Paul Klees, in dessen Werk die Arbeiten auf Papier dominieren. Das für Klees Œuvre großformatige Gemälde ist der stark nachgefragten „pointillistischen” Werkphase von 1931/32 zuzurechnen. Die Neuerwerbung bedeutet eine substanzielle Verstärkung und Erweiterung der herausragenden Klee-Sammlung der Pinakothek der Moderne, die bereits Hauptwerke wie „Vollmond”, „Grenzen des Verstandes”, „Abenteurer-Schiff” oder „Das Licht und Etliches” umfasst. Die Neuerwerbung, die Anfang 20i6 feierlich enthüllt wurde, ist dauerhaft in Saal 12 der Pinakothek der Moderne ausgestellt. Dort wird sie im Zusammenhang mit Meisterwerken Klees und der Bauhausmaler Oskar Schlemmer und Lyonel Feininger präsentiert. Paul Klee ist in seiner technischen und motivischen Erfindungskraft einer der bedeutendsten und produktivsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Das Gemälde „Pastor Kohl” besticht durch heitere Ironie und meisterhaften Kolorismus. Die „pointillistischen” Werke umfassen nur 30 Gemälde und 40 Papierarbeiten, die 1931/32 in einer hochproduktiven Schaffensphase nach Klees Antritt einer Professur an der Düsseldorfer Kunstakademie entstehen. Diese koloristisch einzigartigen Werke bauen auf Klees langjährigen Farbstudien als Bauhausmeister in Fortsetzung des Neoimpressionismus auf. Die rasterförmig aufgetragenen Punkte in „Pastor Kohl” erzeugen eine flirrende Dynamik und ein mosaikartiges Leuchten der Farben, die zudem ein geheimnisvolles Tiefenlicht hinterfängt. Die „pointillistische” Struktur verbindet sich in „Pastor Kohl” auf singuläre Weise mit der kryptischen Zeichnung eines fiktiven Pastorenporträts mit Hut und Kragen. Während das schimmernde Flächenmuster zugleich an die von Klee 1928 besichtigten frühchristlichen Mosaiken Ravennas erinnert, wird das von einer Aureole gerahmte „Aufscheinen” des blassen, kohlgrünen Pastors humorvoll karikiert: Grotesk verzerrte und kantige Linienverläufe geben Anlass zu vielfältigen Ausdeutungen und suggerieren sowohl religiöse Inbrunst wie weltliche Entbehrung des Geistlichen. Der Ankauf von „Pastor Kohl” ist die bedeutendste Erwerbung der Klassischen Moderne der letzten Jahre und markiert eine substanzielle Verstärkung eines Sammlungsschwerpunkts der Pinakothek der Moderne, der erst seit den 1960er-Jahren des 20. Jahrhunderts aufgebaut werden konnte. Mit der Schenkung Sofie und Emanuel Fohn 1964, dem Vermächtnis Theodor und Woty Werner 1971 sowie dem Vermächtnis Klaus Gebhard 1976 und dem Nachlass Etta und Otto Stangl 1992 kamen über 20 bedeutende Werke Paul Klees an die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Sie umfassen die Jahre 1919 bis 1932, den Beginn von Klees Ölmalerei nach dem Ersten Weltkrieg, seine Zeit als Bauhausmeister und die Düsseldorfer Phase an der Kunstakademie. „Pastor Kohl” ist das einzige in einem deutschen Museum befindliche Gemälde, das das Flächenmosaik der pointillistischen Werke mit einer figürlich-karikaturhaften Komposition verbindet. Insofern bedeutet der Ankauf auch eine Bereicherung für die deutsche Museumslandschaft, in der bislang nur 5 der insgesamt 20 in öffentlichem Museumsbesitz befindlichen pointillistischen Gemälde beheimatet sind. „Pastor Kohl” erinnert an die prägende Bedeutung Münchens für Klees künstlerisches Schaffen und führt mit den Aspekten der Karikatur und Religion zudem neue Elemente von Klees unermesslich vielseitigem Œuvre in die Sammlung ein.