BORIS SACCONE
* 1991 in Schongau; lebt und arbeitet in München
Der Golem (auf dem Weg nach Prag), 2025
Öl und Bleistift auf Leinwand
170 × 150 cm
Erwerbungsjahr: 2025
Friedvoll, niedlich, unbeschwert. Eigenschaften wie diese dürften wohl den meisten, die das Bild betrachten, als Erstes in den Sinn kommen, wenn sie die plüschig-weich wirkende Figur sehen, die sich aus einer rosafarbenen, spitzzackigen Berglandschaft auf einem stark gewundenen Weg heranbewegt, der von hellblauen Blumen gesäumt ist. Aber ist die Figur tatsächlich so heiter, wie es die pastellige Farbgebung des Bildes suggeriert? Warum sind die Füße der Figur blutrot gefärbt? Und haben die Flecken auf dem Weg etwas zu bedeuten?
Der Titel des Bildes beschreibt die Szene: „Der Golem (auf dem Weg nach Prag)“. Als „Golem“ wird in der jüdischen Mystik ein menschenähnliches, aus Lehm geformtes Wesen bezeichnet, das durch magische Rituale zum Leben erweckt wird, eine gewaltige Größe und Kraft entwickeln kann und dabei nicht selten außer Kontrolle gerät. Das Wort „Golem“ stammt aus dem Hebräischen und bedeutet zunächst nichts anderes als „formlose Masse“ oder „Embryo“. Der Überlieferung nach erschuf im 16. Jahrhundert ein Rabbi den ersten Golem im jüdischen Ghetto von Prag, um die dortige Gemeinde vor Verfolgungen zu beschützen. Bis heute inspiriert die unberechenbare Figur Kunst, Literatur, Film und sogar aktuelle Technologiediskurse. Denn der Golem gilt als Vorläufer von Frankenstein, Robotern oder der AI, also von künstlich erschaffenen Wesen, die zur zerstörerischen Kraft werden können.
Boris Saccone, der Maler des Bildes, studierte bis 2023 bei Prof. Gregor Hildebrandt an der Akademie der Bildenden Künste München. Seine Kompositionen charakterisieren sich durch einen flächigen Farbauftrag und eine Palette, in der die zarten Valeurs vorherrschen. Die bewusst einfachen Formen erinnern an das schlichte Disegno der frühen Italiener, aber ebenso – vor allem wegen der betonten Konturen – an comicartige Stilisierungen, wie sie die Bildsprache des von Saccone hochgeschätzten Philip Guston kennzeichnen. Die Ausstrahlung seiner Bilder bleibt meist ambivalent, sie wirken ebenso anziehend wie beunruhigend.
Prof. Dr. Bernhart Schwenk