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Analogue

Leonard, Zoe

*1961 in Liberty, New York, USA
lebt und arbeitet ebenda

Analogue, 1998-2006

40 Dye Transfer Arbeiten
Blattmaß: je 50 x 40 cm
Rahmenmaß: je 58 x 47,5 cm
Edition: 6/6 + 2 AP

Inventar-Nr.: GV 2013

Erwerbungsjahr: 2009

Die Amerikanerin Zoe Leonard, die bereits mehrmals auf der documenta wie der Whitney Biennial vertreten war, ist eine der außergewöhnlichsten Künstlerinnen ihrer Generation. Seit über zwanzig Jahren praktiziert sie mit dem Medium Fotografie ein denkendes Wandern, ein erkennendes Schauen. Sie durchforstet Natur und Kultur, urbane Räume und museale Stätten auf der Suche nach Zeichen, die über ihre Strukturen, Gegensätze und Parallelen Auskunft geben. Leonard dokumentiert häufig unscheinbar oder belanglos anmutende Dinge und Alltäglichkeiten, um sie für den Betrachter wieder sichtbar zu machen. Sie haucht ihnen Leben ein, füllt sie mit Inhalt, bringt sie zum Sprechen und entreißt sie so der Vergänglichkeit. Dabei kreisen ihre Arbeiten um die zentralen Themen unserer Zeit, erzählen von Globalisierung und Sexualität, reflektieren unser Verhältnis zur Natur und unseren Umgang mit unseren Ressourcen, berichten über Kolonialismus, Kindheit, Macht und Ohnmacht. In der Summe ist so ein einzigartiger Bilderkosmos entstanden, der auf eigenwillige Weise die conditio humana beschreibt. Zwischen 1998 und 2007 arbeitete Leonard an einem fotografischen Langzeitprojekt mit dem Titel „Analogue”, das heute mehr als 400 Fotografien umfasst. Ausgehend von ihrer unmittelbaren Nachbarschaft auf der Lower East Side Manhattans und später in Brooklyn bis hin zu Orten, die sie in Europa und Afrika aufgesucht hat, beschreibt sie hier den Übergang des industriellen in das digitale Zeitalter, den Verlust lokaler Charakteristika zugunsten einer globalisierten Welt. In der Tradition von Fotografen wie Eugène Atget, Walker Evans oder Bernd und Hilla Becher nutzt Leonard die Möglichkeiten der Fotografie, diese Relikte einer vergehenden Welt kurz vor ihrem endgültigen Verschwinden festzuhalten und zu überliefern. Mit der Präsentation von «Analogue» auf der documenta 12 in Kassel wurde dieser umfangreiche Werkkomplex erstmals einem internationalem Publikum vorgestellt. Aus „Analogue” wählte Zoe Leonard 40 Motive für ein Portfolio aus, um sie in dem aufwendigen und heute nicht mehr existierenden Dye- Transfer-Verfahren zu entwickeln. Das Dye-Transfer-Verfahren ermöglichte es der Künstlerin, in wesentlich experimentellerer und intensiverer Weise mit Farbe zu arbeiten, als dies mit dem normalen C-Print möglich gewesen wäre. Das Portfolio wurde in einer Auflage von sechs Exemplaren realisiert, von denen aber nur zwei komplett erhalten sind. Im Rahmen der im Aufbau befindlichen Sammlung Fotografie und Neue Medien nimmt die Erwerbung des Portfolios einen zentralen Stellenwert ein. Sie komplettiert zum einen den Bereich der amerikanischen Fotografie, die mit Werkgruppen von Robert Adams, Stephen Shore, Lee Friedlaender, William Eggleston, aber auch Roni Horn einen gewichtigen Schwerpunkt der Sammlung ausmacht. Zum anderen markiert Leonards Hinwendung zu den konzeptionellen Strategien einer archivalischen Fotografie deutliche Berührungspunkte zum Werk von Bernd und Hilla Becher und der Tradition europäischer Fotografie, wie sie durch Eugène Atget, aber auch Albert Renger- Patzsch und Karl Blossfeldt in der Sammlung vertreten ist.