Freunde der
Pinakothek der Moderne e.V.

13. Benefizauktion 2015

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Stefan Szczesny
* 1951 in München, lebt und arbeitet in St. Tropez and Berlin

Urbike, August 2015, Saint Tropez
Acryl auf Stahlrahmen
ca. 173 - 187 cm
1 von 11 Unikaten

Galeriepreis € 5.400,-
Eingeliefert von artsation.com und Urbike GmbH
Foto: artsation.com © 2015 VG Bild-Kunst, Bonn


VOM ANKOMMEN
Ein integratives Projekt der Pinakothek der Moderne für geflüchtete Menschen und Menschen aus München

Ein Fahrrad im Museum – Kunstobjekt, Gebrauchsgegenstand und Symbol zugleich – es steht für Freiheit, für Bewegung und Unabhängigkeit, für das Überwinden großer Distanzen aber auch für das Ankommen. In Zeiten, in denen sich Hunderttausende auf der Flucht nach Europa befinden, ist dieses Ankommen zugleich Ziel und Herausforderung für alle. Das von dem bekannten Maler und Bildhauer Stefan Szczesny gestaltete Fahrrad der Münchner Marke Urbike stellen wir der Auktion ganz bewusst als besonderes Los voran, um dieser Situation Rechnung zu tragen. Der Erlös ist einem konkreten Zweck und großen Anliegen gewidmet: der Unterstützung eines Vermittlungsprojekts der Pinakothek der Moderne, das Kunst, Design und Architektur gezielt als Brücke zur Verständigung zwischen Ankommenden und Anwesenden nutzt. Der reiche Kosmos des Museums wird wöchentlich zu einem kreativen Willkommensraum. Künstler, Kunstvermittler und ehrenamtliche Helfer arbeiten Hand in Hand für eine Plattform zur interkulturellen und zwischenmenschlichen Begegnung. Geflüchtete Menschen und Menschen aus München sind eingeladen an Programmen teilzunehmen, in denen, angeregt durch besondere Exponate, gezeichnet, gebaut, getanzt oder musiziert wird. Vorwissen und Sprachkenntnisse sind nicht nötig – Familien sind ebenso willkommen wie Jugendliche und Erwachsene. Die Pinakothek der Moderne setzt mit diesem Projekt ein Zeichen für die Bedeutung der Kunst als Ausdruck menschlicher Kreativität, Toleranz und Offenheit jenseits sprachlicher und kultureller Barrieren.

Stefan Szczesny - Urbike

Cory Arcangel
*1978 in Buffalo, New York / USA, 
lebt und arbeitet in New York / USA
Two Aerons, 2015
Bleistift auf Papier reproduziert
mit einem Muthoh XP-300 Series Drucker
91,4 × 61 cm, Zertifikat

Galeriepreis: € 10.000,–
Eingeliefert von Cory Arcangel
Courtesy Galerie Thaddeus Ropac,Salzburg/Paris
Foto: Ulrich Ghezzi


Cory Arcangel stellt Deutungskonventionen der bildenden Kunst auf den Kopf, indem er sie bedingungslos nach den Regeln der digitalen Welt definiert. Dabei setzt er fort, was Andy Warhol einst im Pop begann. „Two Aerons“ zeigt einen Bürostuhl aus der legendären Designschmiede Herman Miller. Die Arbeit ist in der Logik Arcangels eine Zeichnung, doch sie entsteht, wenn der Künstler sie ausdruckt – als Original, schließlich bewegt sich der Druckkopf wie ein mechanischer Bleistift über das Papier. Cory Arcangels Werke wurden international in prominenten Ausstellungen präsentiert, darunter Einzelausstellungen im Hamburger Bahnhof, Berlin; Whitney Museum of American Art, New York; der DHC/ART Foundation for Contemporary Art, Montreal; im Reykjavík Art Museum und im Espace Louis Vuitton in München. Er wurde mit zahlreichen Preisen geehrt, zuletzt von der Kunststiftung NRW, Düsseldorf und Kino der Kunst, München. Werke von Cory Arcangel sind vertreten u.a. in der Sammlung der Neuen Nationalgalerie, Berlin; der Tate, London; dem Miami Art Museum und dem Whitney Museum of American Art, New York.

Cory  Arcangel - Two Aerons, 2015

Florian Auer
*1984 in Augsburg, lebt und arbeitet in Berlin
Action Print (matcap), 2015
Digital Print, Neon, Sprühfarbe, Kunststoff,
Transformator
80 × 60 × 22 cm

Galeriepreis: € 4.900,–
Eingeliefert von Florian Auer
Courtesy Kraupa-Tuskany Zeidler, Berlin


Digitale Technologien verfremden unsere als real empfundene Welt. Zwischen haptisch erfahrbaren  Objekten und ihrer Erscheinung im Bild entsteht eine immer größere Spannung. Dieses sich ändernde Verhältnis nimmt Florian Auer zum Ausgangspunkt seiner künstlerischen Arbeit. Flächig Zeichenhaftes erhält illusionistische Tiefe, Räumliches wird grafisch nivelliert. Im Werk „Action Print (matcap)“ inszeniert Auer einen Lederball als verheißungsvolles Objekt. Mit unnahbarer Aura schwebt der Ball in einer endlos wirkenden Tiefe, scheinbar beleuchtet von einer Neon-Gloriole, die als tatsächliches Objekt auf die flache Oberfläche des Prints aufgesetzt ist. Florian Auer studierte an der Akademie der Bildenden Künste in München und der Frankfurter Städelschule bei Tobias Rehberger. In den vergangenen Jahren präsentierte Florian Auer seine Arbeiten in prominenten  Einzelausstellungen u.a. im Kunstverein Braunschweig; NAK Neuer Aachener Kunst verein; Cell Project Space, London, und Mottahedan Projects, Dubai. Werke von Florian Auer sind vertreten in der Sammlung Moderne Kunst der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen als Ankauf des PIN. Young Circle.

Florian  Auer - Action Print (matcap), 2015

Christian Awe
*1978 in Berlin, lebt und arbeitet in Berlin
relaxing with cherries, 2015
Acryl und Sprühlack auf Leinwand
120 × 100 cm
Signiert: verso

Galeriepreis: € 8.700,–
Eingeliefert von Christian Awe
Courtesy Christian AweGalerie Ludorff, Düsseldorf und Jenny Falckenberg | Unique Art Concepts
Foto: Bernd Borchardt


Es wäre schwer zu leugnen, doch das will er auch gar nicht: Die Wurzeln der Kunst von Christian Awe liegen in der Street Art. Mit viel Enthusiasmus, lauter Musik und vor allem mit viel Farbe geht Awe zu Werke, zumeist auf der Dachterrasse seines Ateliers hoch über den Dächern von Berlin. Doch dem eruptiven Gestus der Farbuniversen des Christian Awe steht eine ungeheure Präzision und Geduld gegenüber. Es sind dies zweifellos Dimensionen seiner Kunst, die nicht der Street Art, sondern seinem Studium bei Georg Baselitz und Daniel Richter entstammen. In wochen-, manchmal monatelanger Arbeit trägt Christian Awe Schicht für Schicht auf die Gemälde auf, kratzt Partien wieder frei, malt, sprüht und lackiert. Christian Awe ist international in Ausstellungen, aber auch mit eigenen Projekten präsent. In Miami gestaltete er ein Restaurant, in der russischen Stadt Perm erhielt er einen Kunstpreis für zahlreiche lokale Aktivitäten und in Berlin realisierte er kürzlich die riesige Fassadenarbeit „Adanzé“. Darüber hinaus hat Christian Awe einen Lehrauftrag an der Justus-Liebig-Universität Gießen inne.

Christian  Awe - relaxing with cherries, 2015

LOS 5
Georg Baselitz
*1938 in Deutschbaselitz, lebt und arbeitet am Ammersee und in Imperia/Italien
Berliner Zeiten, 2015
Tusche und Aquarell auf Papier
67 × 101 cm
Signiert: verso

Galeriepreis: € 59.500,–
Eingeliefert von Georg Baselitz
Courtesy Georg Baselitz
Foto: Jochen Littkemann, Berlin


Georg Baselitz blickt zurück und nimmt neuen Schwung: Mit „Berliner Zeiten“, einem auf den 17. März 2015 datierten Blatt von hoher Präsenz, knüpft er an seine „Remixe“ der jüngeren Vergangenheit an; zugleich greift er zurück auf das Gemälde „Die großen Freunde“ von 1965. Der doppelte Rückblick verrät die Gestimmtheit des Malers, der auf ein immenses OEuvre zurückschauen kann. Standen mit dem Gemälde vor fünfzig Jahren zwei Menschen, ein Paar, noch freundschaftlich Seite an Seite vor düsterem Hintergrund, sah man damals rechts noch eine gesenkte Fahne, so wirkt das Blatt heute reduziert, verschlüsselt, skeptisch. Zwei Männer, so scheint es, sind einander gestisch verbunden wie Brüder, aber sie stehen vor dem Licht einerseits, vor der Schwärze andererseits: Das Leben hat sie auf verschiedene Bahnen gebracht. Baselitz reflektiert das Trennende, das Zerbröseln von Verbindungen zwischen Menschen. So erscheint der linke Recke mit festem Standmotiv und breiten Schultern in große Helligkeit gerückt, sein Pendant aber steht in der Nacht eines dunklen Fonds. Beide sind in Jacken und knielange Hosen gehüllt und gehen ärmlich-barfuß durch die Welt. Der linke Mann weist eine blutende Seitenwunde auf wie Christus (die freilich auf der falschen Seite sitzt), der rechte scheint von Blut umflossen: Die Schlachten sind geschlagen. Wenn man sich Baselitz‘ Werk der Frühzeit vergegenwärtigt, kann man dieses Rot mit der dortigen Fahne in Verbindung bringen. Nimmt man das Blatt als solches, so drängen die Assoziationen in andere Richtungen. Baselitz schätzt Bildstörungen und das Provokative. Das Blatt verschlüsselt in ungekannter Drastik und mit archaisch fragilem Strich die Fragilität und Dialektik des Seins.Die Helden erinnern den einstigen pathetischen Auftrag, der doch in Gesten der fragenden Hilflosigkeit mündet. 2015 war Baselitz u.a. auf der Biennale in Venedig; in der Economou Collection, Athen, und im Marmorpalast, St. Petersburg, mit großen Werkgruppen präsent.

Georg  Baselitz - Berliner Zeiten, 2015

LOS 19
Dieter Blum
*1936 in Esslingen am Neckar,
lebt und arbeitet in Düsseldorf und Esslingen
Low Clearance, 1992/2015
Cromogenic Print
150 × 132 cm
Signiert: verso
Edition 3/6

Galeriepreis: € 150.000,–
Eingeliefert von Dieter Blum und Donata Krings
Courtesy Dieter Blum



Dieter Blums Kunst ist unglaublich begehrt. Erst kürzlich kaufte die Daimler Art Collection einen Zyklus von gleich 55 Fotografien an und schickt diese im kommenden Jahr auf eine weltweite Ausstellungstournee. Die Saatchi Gallery besitzt in ihrer Sammlung sogar ein Exemplar des vorliegenden Werks. Der Künstler Richard Prince schließlich empfand die Arbeiten von Blum als derart präzise, dass er sich zahlreiche Bilder kurzerhand aneignete, zu eigenen Werkenn erklärte und für Millionen beträge verkaufte. Doch zurück zum Original: Dieter Blums Karrieredurchbruch gelang mit  seiner legendären Werbung für Marlboro. Die melancholischen Cowboymotive und Landschaften trafen ein Lebensgefühl auf den Punkt. Auf einem weißen Pferd, einer Erscheinung gleich findet sich der Cowboy auch in dieser Arbeit. Er hält den Blick gesenkt. Das Gesicht verschwindet hinter dem leuchtend hellen Hut. Er ist Ideal, nicht Individuum. Deplatziert und in überlegener Tristesse beherrscht er die Szene. Das Bild ist eine Ikone der Sehnsüchte und gleichzeitig präzise kalkuliertes Sehnsuchtsangebot. Es entstand auf einer Tour des Fotografen durch den Süden der USA in der texanischen Kleinstadt Seymour. Von 1992 bis 2004 fotografierte Dieter Blum Cowboys für Marlboro und entwickelte dabei einen dichten Imaginationskosmos, der die männlich geprägte, westliche Vorstellung von Freiheit und Ursprünglichkeit mit beeindruckender Klarsicht zusammenfasst. „Low Clearance” wurde nie für eine Anzeige verwendet. Zu avantgardistisch und zu intellektuell gebrochen war den Auftraggebern das Bild: ein Kunstwerk, kein Werbemotiv. Für sein Lebenswerk erhielt Dieter Blum kürzlich die Médaille Vermeil der akademischen Gesellschaft Arts-Sience-Lettres in Paris. Zahlreiche Presseartikel erschienen über ihn und sein Werk. Seine Bilder hat er in preisgekrönten Büchern publiziert, er stellt inter national in renommierten Galerien aus und ist in bedeutenden Sammlungen vertreten.

Dieter Blum  - Low Clearance, 1992/2015

LOS 18
Cosima von Bonin
*1962 in Mombasa, lebt und arbeitet in Köln
Smoke, 2008
Acryl, LED, Neon und Stahl
137 × 73 × 60 cm
Edition 10/25 + 3 AP
Zertifikat

Galeriepreis: € 12.300,–
Eingeliefert von Cosima von Bonin 
Courtesy Cosima von Bonin und Galerie Neu, Berlin
Foto: Sigrid Körbler


Das persönliche Genre Cosima von Bonins wurde einmal beschrieben als „Konzept-Pop“, eine Wortschöpfung, die die hochreflexiven und doch humorvoll leichten Verwindungen ihres Werks auf den Punkt bringt. Die Künstlerin liebt Kategorien, Regeln und Verhaltensmuster, schlicht jede Art von Ordnung, die Menschen in der Annahme erzeugen, sie bedeuteten Zivilisation und Kultur. Solche Zuordnungen sind ihr Lieblingsspielzeug im prallen globalen Dinge- und Bilderkosmos. Die Arbeit „Smoke“ entstand in Zusammenarbeit mit Michel Würthle, Künstler und Wirt der legendären Paris-Bar in Berlin. Eine überdimensionale Zigarette wird als Anziehungs- und Fluchtpunkt inszeniert. Die Arbeit ist eine ironische Referenz an das Rauchen als sozial verbindendes Element, das Menschengruppen bei jeder Witterung gemeinsam vor Bar- und Restauranttüren zwingt, und erzählt gleichzeitig von Sehnsüchten, Verboten und symbolhafter Verwegenheit. In ihrer großen Retrospektive „Hippies use side door. Das Jahr 2014 hat ein Rad ab“ im vergangen Jahr im MUMOK, Wien, installierte die Künstlerin die Arbeit „Smoke“ vor der Eingangstür des Museums und markierte es damit als einen Ort, an dem Ver- und Gebote bitte zu brechen sind. Damit wird die Arbeit zum Logo für den verspielten intellektuellen Anarchismus der Künstlerin, der durchaus als Aufruf zu verstehen ist. Cosima von Bonin zählt zu den bedeutendsten deutschen Künstlerinnen, sie hatte Einzelpräsentationen u.a. im Museum Ludwig, Köln; Kemper Art Museum, St. Louis; MAMCO, Genf; Kunsthaus Bregenz und im MOCA, Los Angeles. Werke von Cosima von Bonin sind vertreten u.a. in den Sammlungen des Hamburger Bahnhof, Berlin; ZKM, Karlsruhe; Städtisches Museum Abteiberg, Mönchengladbach; Stedelijk Museum, Amsterdam; MoMA, New York, sowie den Sammlungen Boros und Grässlin. Die Künstlerin wird im kommenden Jahr eine der Hauptakteurinnen bei der Glasgow International Biennale sein.

 

Cosima  von Bonin - Smoke, 2008

LOS 7
Will Boone
*1982 in Houston, Texas/USA, lebt und arbeitet in New York/USA
DIAD, 2015
Vinyl und Acryl auf Papier
182 × 137 cm
Unikat
Signiert: verso

Galeriepreis: € 17.000,– (inkl. Rahmen)
Eingeliefert von Will Boone
Courtesy Karma Gallery New York and Will Boone
Foto: Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München


Will Boone sammelt Worte – kurze, prägnante, gern doppeldeutige – und notiert sich spontane Einfälle auf Zetteln, Rechnungsrückseiten oder im Handy. Es entstehen Listen von Begriffen, die Boone später wiederum filtert, einige streicht und andere festhält. Worum es ihm dabei geht, war dem Künstler lange selbst nicht klar – ein cooler Bandname könnte es werden oder Titel einer schnell produzierten, zusammenkopierten Publikation. Resultat dieser Listen wurden aber die „Sigils“, eine Serie malerischer Arbeiten, die zum Durchbruch für Boone wurden. Wie in „DIAD“ liegt den Gemälden jeweils ein Wort zugrunde, das gleichzeitig Titel und Bildinhalt ist. Dabei ist „DIAD“ laut Künstler ein Begriff, der den Punkt beschreibt, an dem die menschliche Psyche,etwa unter dem Einfluss von Drogen, formbar wird. Gleichzeitig ist es eine gebräuchliche Abkürzung für „done in a day“ (an einem Tag fertiggestellt). Ob eine dieser Referenzen oder die schiere formale Qualität des Wortes Grund für die Auswahl durch den Künstler sind, bleibt im Dunkeln. Für ein Werk scannt Boone das ausgewählte Wort aus seinen handschriftlichen Notizen und lässt die einzelnen Lettern als riesige Vinylschablonen produzieren. Die flüchtige Notiz gelangt in einen technischen Prozess, der sie verändert, sie seinen Standards anpasst und wieder ausgibt. Aus dem Resultat komponiert der Künstler sein Werk, klebt die Buchstabenschablonen übereinander und ergänzt sie durch Malerei. Die Komposition von „DIAD“ flirrt zwischen Zeichen und Bild. Will Boone gehört zu den diesjährigen Shootingstars der Kunstszene. Ende 2014 widmete ihm die Rubell Family Collection, Miami, eine große Einzelausstellung. In einer diesjährigen Auktion von Christie’s erreichte ein Werk von Will Boone das Dreifache seines Schätzpreises. Der junge Künstler wird von der Galerie karma, New York, vertreten.

 

Will  Boone - DIAD, 2015

Christoph Brech
*1964 in Schweinfurt,
lebt und arbeitet in München
Musei Vaticani –Padiglione delle Carrozze Papali, 2011
Fine Art Print
88 × 125 cm
Edition 2/7
Zertifikat

Galeriepreis: € 7.000,–
Eingeliefert von Christoph Brech
Courtesy Christoph Brech © 2015, VG Bild-Kunst, Bonn


Christoph Brech wurde ein ebenso wunderbares wie rares Privileg zuteil. Drei Jahre durfte er, von Besucherströmen unbehelligt, die verzweigten Säle der Vatikanischen Museen mit seinerKamera erkunden und neu entdecken. „Unrestricted Views“ heißt das im Sieveking Verlag erschienene Buch, in dem die Aufnahmen zusammengefasst sind. Da ist eine Kutsche, ein päpstliches Gefährt aus dem frühen 19. Jh. Die Wagentür ließ der Fotograf sich öffnen. “Musei Vaticani – Padiglione delle Carrozze Papali“ präsentiert einen intimen Blick in das mit zerschlissenem roten Samt ausgekleidete Interieur, und gleichzeitig, fast beiläufig, legt das Bild eine spektakuläre Durchsicht auf ein historisches Wandgemälde frei. Eine Prozession, Menschen, Fahnen und in der Mitte, wie ein Fenster in eine vergangene Zeit, eine päpstliche Kutsche und in ihr ein Papst von einst. Christoph Brech studierte an der Akademie der Bildenden Künste in München, an der er nach seinem Abschluss eine Lehrposition erhielt. Er setzte seine Lehrtätigkeit an der Université du Québec in Montréal, der Université Laval in Québec City und der Temple University in Rom fort. Christoph Brech wurde mit zahlreichen Ehrungen ausgezeichnet, darunter der Will Grohmann Preis der Akademie der Künste in Berlin und der Preis der Deutschen Akademie Rom / Villa Massimo. Werke von Christoph Brech sind vertreten in den Musei Vaticani, Rom; der Kunstsammlung des Bundes, Berlin; dem Kulturhistorischen Institut, Florenz; den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden; der Städtischen Galerie im Lenbachhaus und der Sammlung Goetz, München.

Christoph  Brech - Musei Vaticani –Padiglione delle Carrozze Papali, 2011

LOS 9
Daniele Buetti
*1955 in Freiburg im Üechtland/Schweiz,
lebt und arbeitet in Zürich/Schweiz und in Münster
Am I the cause of the Universe ?, 2015
Perforierte Fotografie im Leuchtkasten
100 × 80 × 9 cm
Unikat
Zertifikat

Galeriepreis: € 16.600,–
Eingeliefert von Daniele Buetti und munich modern
Courtesy Daniele Buetti
Foto: Ruth Clark © 2015, VG Bild-Kunst, Bonn


Seit den frühen 1990er Jahren befasst sich der renommierte Schweizer Künstler Daniele Buetti medienübergreifend mit dem Einfluss und der Auswirkung der Konsumgesellschaft auf die Konstruktion von Schönheitsidealen und Identität. Sein Durchbruch gelang Buetti mit der manipulierten fotografischen Serie „Looking for Love“ (1995 –2001), in der er die Körper und Gesichter von Supermodels mit Kugelschreibertätowierungen von Modelogos verfremdet. Darauf aufbauend schafft Buetti seit dem Jahr 2000 Werke in Form von Leuchtkästen. Diese bilden eine Serie, die er unter dem Titel „Dreams Result in More Dreams“ zusammenfasst. „Am I the cause of the Universe?“ leuchtet in rot-weißen Punkten über der unverkennbaren Gestalt des weltberühmten Models Kate Moss. Durch das Perforieren des Fotopapiers beschädigt Buetti zwar die scheinbare Makellosigkeit der Werbewelt, inszeniert mit Hilfe des resultierenden Lichteffekts das Supermodel jedoch zugleich als Ikone der Konsumgesellschaft. „Licht ist ohne Zweifel das Verführerischste und Magischste aller Medien“, so Buetti zu diesen Pseudo- Lichtreklamen, „Blinkende, farbige, funkelnde Punkte begeistern uns wie Motten, die ans Licht gezogen wird“. Subtil und poetisch erforscht der Künstler die überwältigende Anziehungskraft von Modewelt und Massenmedien. Buetti verarbeitet seine Vorlagen so gekonnt zu sozialkritischen Werken, dass er neben Zeitgenossen wie Elizabeth Peyton und Francesco Vezzoli jüngst als neuer „Warhol-Jünger der Kunst“ gelobt wurde. Buetti, der seit 2004 als Professor an der Kunstakademie Münster unterrichtet, ist u.a. in den Sammlungen des Kunsthaus Zürich; Migros Museum für Gegenwartskunst, Zürich; Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia, Madrid; MUSAC Leon, und der Maison Européenne de la Photographie, Paris, vertreten. 2014 wurde Buetti eine Einzelausstellung in der Schirn Kunsthalle, Frankfurt, gewidmet.

Daniele  Buetti - Am I the cause of the Universe ?, 2015

LOS 11
Borden Capalino
*1980 in New York / USA,
lebt und arbeitet in New York / USA
Grandpa’s Princess, 2015
Thermotransferdruck, Teile von Kuhhufen, Teile von Damenschuhen, Walnussschalen, Kasein,
Jod, Dichtungsschaum, Plastilin, Emaille, Harz
101,6 × 66 cm
Signiert: verso

Galeriepreis: € 9.000,–
Eingeliefert von Borden Capalino und Contemporary Fine Arts, Berlin
Courtesy Borden Capalino und Contemporary Fine Arts, Berlin
Foto: John Berens


Die Arbeit von Capalino zeigt das Foto einer Blume, flüchtig aufgenommen und scheinbar nachlässig auf eine Leinwand übertragen, wodurch die Blüte zerreißt, verwischt und sich verdoppelt. Zwischen Existenz und Verschwinden schwebend, ist das Bild überlagert von Schlieren und Klumpen aus undefinierbarem Material. Borden Capalino meidet Läden für Künstlerbedarf wie der Teufel das Weihwasser. „Ich gehe prinzipiell unsachgemäß vor“, erklärte der Künstler in einem Interview. Das Material für seine Arbeiten, die zwischen Fotografie, Malerei und Skulptur changieren, findet Capalino in Supermarkt, Apotheke, Baustoffhandel oder einfach auf der Straße. Basis für Werke wie „Grandpa’s Princess“ sind Abbildungen aus dem Internet, die er verfremdet mittels eines Thermotransfer-Verfahrens auf die Leinwand bringt. Vor allem Bilder aus Kleinanzeigen interessieren Capalino; Dinge, die eben noch privat waren und nun Teil des öffentlichen Rauschens werden. Diesen kurzen voyeuristischen Moment, Fragment eines anderen Lebens, verwebt Borden Capalino zu Werken, die er als forensischen Surrealismus bezeichnet. Gern bezieht er sich dabei auf Tatortfotografie und damit auf Bilder, die in scheinbar beiläufigen Schnappschüssen Orte und Gegenstände zeigen, doch eigentlich ein verborgenes Geschehen meinen. Borden Capalino ist einer der Shooting Stars der New Yorker Kunstszene. Er war einer der Künstler, die in der Publikation „The 9 NYC Artists You Need To Know Now“ 2012 porträtiert wurden. Etwa seit dieser Zeit geht seine Karriere mit internationalen Ausstellungen z.B. bei W139, Amsterdam; Contemporary Fine Arts, Berlin; Eli Ping Frances Perkins, NYC; Ramiken Crucible, NYC; Office Baroque, Brüssel, und im Autocenter Berlin, steil bergauf. In diesem Jahr erscheint eine erste Übersichtspublikation seiner Werke: „Borden Capalino Works 2013 –2015“. Borden Capalino ist in zahlreichen internationalen Privatsammlungen vertreten.

Borden Capalino - Grandpa’s Princess, 2015

LOS 4
Francesco Clemente
*1952 in Neapel/Italien, lebt und arbeitet in New York / USA und Varanasi/Indien
Emblems of Transformation 103, 2014
Aquarell auf Papier
29,6 × 20,9 cm
Signiert: verso

Galeriepreis: € 19.300,–
Eingeliefert von Francesco Clemente
Courtesy Francesco Clemente und Blain |Southern, London/Berlin
Foto: John Berens


Im Jahr 1973 reiste Francesco Clemente, der zu den Hauptvertretern der italienischen Transavanguardia gehört, das erste Mal nach Indien und fand dort eine bildnerische Welt und Inspirationsquelle, die ihn nicht mehr losließ. Eine Bildwelt, die sich permanent erweitert, Altes wiederbelebt und Neues in sich aufnimmt. Das Blatt „Emblems of Transformation 103“ zeigt zwei Köpfe im Profil, scharf voneinander abgegrenzt und doch verbunden. Die Kette, die die beiden Köpfe aneinander bindet, scheint massiv und leicht zugleich – hebt sie sich doch schwebend vom Rand der Zeichnung in die Höhe. Eine Blumenranke durchwirkt die Kette, setzt dem klar definierten Ewigen die Zartheit des Gewachsenen und Vergänglichen gegenüber. Auf fast naive Weise bringt Clemente Gegensätze in Einklang. Dabei sind es universale und zeitlose Fragen, die ihn interessieren. Die 108 Blätter der Serie sind eine Referenz an die Anzahl der Perlen in der Japa Mala, einer Gebetskette im Hinduismus und Buddhismus. Wie die Perlen der Kette sind die Zeichnungen miteinander verknüpft. Eine jede ist ein Teil des Ganzen und steht doch für sich allein. Francesco Clemente ist seit Jahrzehnten eine feste Größe in der Kunstwelt mit Einzelausstellungen u.a. im Rubin Museum of Art, Guggenheim Museum, MoMA und der DIA Art Foundation, New York; der Bundeskunsthalle Bonn; Schirn Kunsthalle, Frankfurt; Galleria degli Uffizi, Florenz; der Neuen Nationalgalerie, Berlin, und dem Stedelijk Museum, Amsterdam. Werke von Francesco Clemente befinden sich in vielen namhaften öffentlichen Sammlungen, darunter MoMA, NYC; Guggenheim Museum, NYC & Bilbao; Tate Modern, London; Galleria degli Uffizi, Florenz; Centre Georges Pompidou, Paris; Stedelijk Museum, Amsterdam; Museum Brandhorst, München; Kunstmuseum Basel; Rubell Collection, Miami. Derzeit ist eine spektakuläre Einzelpräsentation von Francesco Clemente im MASS MoCA, North Adams, zu erleben. Für das kommende Jahr sind Einzelausstellungen in Australien, Spanien und China geplant.

Francesco  Clemente - Emblems of Transformation 103, 2014

Johanna Diehl
*1977 in Hamburg, lebt und arbeitet in Berlin
Melanarga/Adaçay, Cyprus (North), 2009
C-Print, 122 × 95 cm
Auflage 1/5 + 2 AP
signiert: recto

Galeriepreis: € 8.000,–
Eingeliefert von Johanna Diel
Courtesy Johanna Diel, Galerie Fiebach Minninger, Köln und Galerie Wilma Tolksdorf, Frankfurt am Main


Johanna Diehl beschäftigt sich mit Räumen, an denen sich die Geschichte Europas und seine aktuellen Konflikte manifestieren. Für Ihre 2009 entstandene Serie „Displace“ reiste die Künstlerin nach Zypern, wo sie ehemalige Moscheen im griechischen Teil und ehemalige Kirchen im türkischen Teil der seit 1974 geteilten Insel fotografierte. In dem kleinen Ort Melangra/Adaçay wurde, wie in vielen Fällen, die orthodoxe Kirche in eine Moschee umgewandelt. Statt einer Ikonostase ist eine Vorhangschnur durch den Raum gezogen und ermöglicht die Aufteilung des Gotteshauses nach Geschlechtern. Ein mit der türkischen Flagge geschmücktes Minbar sowie die Teppiche auf dem Boden machen die heutige Bestimmung des Ortes sofort deutlich und doch ist die Ansicht irritierend. In dem weitgehend kahlen, weißen Raum, wirken die heutigen Ausstattungsgegenstände verloren, „displaced“ und verweisen damit auf die größeren Vertreibungen und Ersetzungen, die sich im Konflikt um die Insel ereignet haben. Johanna Diehl ist in diesem Jahr Stipendiatin der Akademie Schloss Solitude in Stuttgart und 2016 der Villa Massimo. 2015 widmen ihr der Oldenburger Kunstverein und ab Ende Oktober die Pinakothek der Moderne Einzelausstellungen

Johanna Diehl  - Melanarga/Adaçay, Cyprus (North), 2009

LOS 24
Peter Dreher
*1932 in Mannheim, lebt und arbeitet in Wittnau
Tag um Tag guter Tag #2241 und
Tag um Tag guter Tag #2119, 2006
Öl auf Leinwand
je 25 cm × 20 cm
Signiert: recto

Galeriepreis: € 17.000,–
Eingeliefert von Peter Dreher
Courtesy Galerie Thomas Salis Art & Design, Salzburg
 © 2015, VG Bild-Kunst, Bonn


1972 entstand ein erstes Bild von einem Wasserglas. Zunächst wollte Peter Dreher nur fünf oder sechs Bilder dieses Wasserglases malen, „um zu zeigen, dass es nicht nötig ist, das Motiv zu wechseln, um zum Malen angeregt zu werden“. Aus diesen ersten Bildern entstand ab 1974 eine Serie, die bis heute weiterläuft. Der Titel der Werkserie „Tag um Tag guter Tag“ bezieht sich dabei auf einen Ausspruch des chinesischen Zen-Meisters Yunmen Wenyan, welcher die objektive Gleichheit aller Dinge behauptet. Seither sind mehr als 5200 Ölgemälde desselben Wasserglases entstanden – am gleichen Ort, in gleicher Distanz zum Künstler und unter ähnlichen Lichtverhältnissen. Dennoch ist keines der Bilder dieser Werkserie exakt wie das andere. Sie unterscheiden sich durch subtile Veränderungen in Licht, Schatten und Spiegelungen. Wie in einem Stillleben Giordio Morandis schimmern die Gläser in zarten Weiß- und Grauabstufungen. Auf einigen erkennt man die Spiegelung eines Fensters in Drehers Studio, auf anderen sogar das schwache Bild des Künstlers. Während Dreher in seiner seriellen Arbeitsweise den Künstlern Roman Opalka oder On Kawara ähnelt, differenziert sich sein Werk durch eine tiefe Auseinandersetzung mit dem Wesen der Malerei. Inspiriert von Edmund Husserls Phänomenologie der Wahrnehmung konzentriert Dreher sich mit kontemplativer Ruhe auf den Akt des Malens – nicht nur, um das Streben nach Innovation und Interpretation in der Kunst zu hinterfragen, sondern auch, um, wie er sagt, in den Stunden des Malens vollkommen bei sich zu sein. Peter Dreher ist Träger des Bundesverdienstkreuzes. Sein OEeuvre wurde in zahlreichen renommierten Institutionen wie der Kunsthalle Baden-Baden oder dem Musée d’Art Moderne in Genf gezeigt und ist in zahlreichen öffentlichen Sammlungen vertreten, darunter dem Museum Folkwang, Essen; dem Museum Frieder Burda, Baden-Baden, und der Staatsgalerie Stuttgart.

Peter Dreher - Tag um Tag guter Tag #2241 und Tag um Tag guter Tag #2119, 2006

Hedwig Eberle
*1977 in München, lebt und arbeitet in München
o.T., 2015
Aquarell und Tusche auf montiertem Papier
125 × 148 cm
Signiert: verso

Galeriepreis: € 6.200,–
Eingeliefert von Hedwig Eberle
Courtesy Galerie Jahn Baaderstraße, München


Gestisch impulsiv, manchmal gar rau und düster doch gleichzeitig sensibel und behutsam ist die künstlerische Sprache von Hedwig Eberle. Dabei leitet sie ihre Kompositionen aus dem Material der Malerei selbst ab. Leichte wasserfarbene Flächen setzt sie gegen Rinnsale und Kleckse schwarzer Tusche. Das zunächst groß anmutende Format der vorliegenden Arbeit entpuppt sich als Montage vieler kleinerer Blätter. Aus der ungegenständlichen, informell anmutenden Malerei treten zwei Gestalten hervor. Die Figuren scheinen beiläufig, als wären sie eher von rinnender Tusche geschaffen als von einer zeichnenden Hand. Hedwig Eberle beherrscht malerisches Material und Bildraum mit einer Meisterschaft, die dem Vergleich mit einigen der ganz Großen des Informel und des Neoexpressionismus standhalten. Eberle studierte Malerei in Berlin und München. Als Meisterschülerin von Sean Scully wurde ihr 2014 der Bayerische Kunstförderpreis verliehen. Arbeiten von Hedwig Eberle sind in wichtigen deutschen Sammlungen wie in der des Lenbachhauses in München vertreten.

 Hedwig Eberle - o.T., 2015

Jens Einhorn
*1980 in Leisnig, lebt und arbeitet in Berlin
Mom And Dad And God, 2015
Leim und Seil auf grundierter Leinwand
160 × 120 cm
Signiert: verso

Galeriepreis: € 5.300,–
Eingeliefert von Jens Einhorn
Courtesy DUVE, Berlin
Foto: Trevor Good


Einhorns großformatige weiß-monochome Leinwändesind Gemälde, doch gemalt sind sie nicht. Nicht bloße Leinwand ist klassischerweise Träger des gemalten Bildes, sondern eine Grundierung, die dem Maler einen optisch ebenen Malgrund schafft. Einhorn experimentiert mit eben diesem Malgrund. Feinmaschige Netze spannt er über die noch feuchte Grundierung, um sie später wieder abzureißen. Dabei lösen sich Teile der Grundierung und legen die rohe Leinwand wieder frei. Zurück bleibt ein fragmentierter, teilweise entblößter Korpus – mehr Referenz an Malerei als selbst ein Bild und doch mit der gestischen Qualität malerischen Ausdrucks. Auf den so entstehenden Flächen inszeniert der junge Maler mittels farbiger Markierungsfäden minimale Kompositionen – wie Skizzen von etwas Entstehendem auf dem freigelegten Fundament. Einhorn schloss im vergangenen Jahr als Meisterschüler von Tal R in Düsseldorf sein Studium ab und bewegt sich seither mit großen Schritten in die internationale Kunstszene hinein, was u.a. eine ausverkaufte Solopräsentation auf der Art Cologne mit beeindruckendem Presseecho belegt.

Jens  Einhorn - Mom And Dad And God, 2015

LOS 14
Antony Gormley
*1950 in London/Großbritannien, lebt und arbeitet in London/Großbritannien
Clearing, 2006
Kohle und Kasein auf Papier
76 × 111 cm
Signiert: recto

Galeriepreis: € 34.000,–
Eingeliefert aus Privatsammlung
Courtesy Galerie Thaddeus Ropac, Paris/Salzburg
Foto: Philippe Servent


Die Bildhauerei wird als Kunstgattung nach Antony Gormley nicht durch ihr Material oder ihre Dimensionalität definiert, sondern durch ihr Thema. Sie ist die Kunst des Raumdiskurses – ein Bildhauer ist ein Künstler, der Räume definiert und das Raumerlebnis gestaltet. Der uns alle umgebende Raum ist zunächst per se grenzenlos und leer. Er ist der Ort, an den man sich als Kind zurückzog, wenn man sich Augen und Ohren zuhielt. Erst durch seine Definition, durch Grenzen und Dimension wird ein Raum rational erfahrbar, dabei ist der Mensch sein eigener Maßstab. In dieser Logik ist „Clearing“ zwar dem Medium nach Zeichnung, dem Diskurs nach aber Bildhauerei. Dynamisch ausladende, elliptische Linien ziehen sich über das Blatt, gehen mitunter über seinen Rand hinaus. Die Ellipsen neigen sich in fünf verschiedene Richtungen und umschreiben in ihrem gemeinsamen Zentrum einen Raum. Eine Lichtung (engl. „Clearing“) entsteht in der Mitte des Blattes. Um jene Lichtung rotiert die Komposition wie Elektronen um einen Atomkern und wird dabei zum Generator eines neuen, wenn auch instabilen Innenraumes. Antony Gormley übersetzte dieses Konzept unter gleichem Titel in tatsächliche Skulpturen. Die Linien werden zu Stahlrohren, die, ähnlich wie in der Zeichnung, Ausstellungsräume neu definieren. Antony Gormley wurde 1994 mit dem renommierten Turner Prize geehrt. Im Jahr 1982 repräsentierte er sein Heimatland auf der Biennale in Venedig. Arbeiten von Antony Gormley sind in der Sammlung einiger der wichtigsten internationalen Kunstinstitutionen vertreten, wie dem British Museum, London; Jupiter Artland, Edinburgh; der Tate, London; dem MUMOK, Wien; Louisiana Museum, Humlebæk; Centre Georges Pompidou, Paris; Israel Museum, Jerusalem; Moderna Museet, Stockholm; Museum of Contemporary Art, Los Angeles, und dem Walker Art Center, Minneapolis.

Antony  Gormley  - Clearing, 2006

LOS 17
Guyton/Walker
Wade Guyton *1972 in Hammond, Indiana/USA
Kelley Walker *1969 in Columbus, Georgia/USA
beide leben und arbeiten in New York/USA
Canstripe_redwhiteblue_screen & Orange_burneddirt_blue_bloodorange_screen
(prototypes for Brandhorst), 2015

2 Wandschirme
Digitaldruck auf Sperrholzplatten montiert in Trägerkonstruktion aus pulverbeschichtetem Stahl
je 295 × 244 × 60 cm
Unikate, Zertifikate

Galeriepreis: € 137.500,–
Eingeliefert von Galerie Gisela Capitain, Köln
Courtesy Guyton/Walker und Galerie Gisela Capitain, Köln
Foto: Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München


Seit fast einem Jahrzehnt gibt es neben Wade Guyton und Kelly Walker einen dritten Künstler mit ähnlichem Namen. Er firmiert als Guyton/ Walker und wird von den beiden Freunden, die zu den gefragtesten Positionen ihrer Generation gehören und ihre internationalen Karrieren absolut unabhängig voneinander verfolgen, als autarke Person betrachtet. Kollaborierend bringen Guyton und Walker zwar zahlreiche Elemente ihrer eigenen Arbeit ein, verschmelzen diese aber zu einer eigenständigen Sprache, die den sehr reduzierten, seriellen Ansatz Guytons mit dem imagebasierten Vorgehen Walkers verbindet. Beide bedienen sich vorgefundener Zeichen und Motive. Beide arbeiten mit computergenerierten Bildfindungsverfahren, in beider Werk spielen diverse Reproduktions- und Druckprozesse eine große Rolle. Aber wo Guyton das Gegenständliche fast gänzlich eliminiert und der Farbe wenig Raum lässt, basiert Walkers Sprache auf dem aneignenden und collagierenden Umgang mit gefundenem Material aus Hoch- und Populärkultur. Als Bildträger dienen Baumaterialien wie Zaunplanen, Gipskarton oder Sperrholz, aber auch Matratzen, Tische oder Farbtöpfe. Mit tropischen Früchten, Polkapunkten, Schachbrettmustern oder Farbklecksen bedruckt, werden diese zu vielteiligen, raumgreifenden Installationen angeordnet. Guyton/Walker hinterfragt nicht nur das Konzept der Autorenschaft, der künstlerischen Handschrift und der Authentizität des Kunstwerkes, sondern auch gängige Wahrnehmungshierarchien. Der Unterschied zwischen Hauptansicht und Rückseite ist ebenso aufgehoben wie der zwischen Bild und Objekt, Kunst und Gebrauchsgegenstand. Viele Arbeiten bergen das Versprechen von Benutzbarkeit. So auch die hier angebotenen Paravents, die als Prototypen für eine siebenteilige Serie entstanden sind, die das Museum Brandhorst für seine Sammlung in Auftrag gegeben hat. Sie können und sollen als Raumteiler fungieren. In einer mit Rädern versehenen Trägerkonstruktion montiert, lassen sie sich leicht bewegen und in ihrer Position zueinander verschieben – die perfekte Kombination aus Bild und Skulptur. 2013 hat das Kunsthaus Bregenz Guyton/Walker eine große Einzelausstellung gewidmet. Guyton/Walker ist in zahlreichen öffentlichen Sammlungen vertreten, darunter der Albright-Knox Art Gallery, Buffalo; dem Astrup-Fearnley Museum of Modern Art, Oslo; dem Baltimore Museum of Art; dem Centre Georges Pompidou, Paris, und dem MoMA, New York. Momentan zeigt das Museum Brandhorst in der Ausstellung „painting 2.0“ einen großen Werkblock.

Guyton/Walker - Canstripe_redwhiteblue_screen &Orange_burneddirt_blue_bloodorange_screen (prototypes for Brandhorst), 2015

Petrit Halilaj
*1986 in Kostërrc/Kosovo, lebt und arbeitet in Berlin
Several birds fly away when they understand it, 2013
Risografie und Zeichnung auf Papier
30 × 20 cm
Zertifikat
abgebildet im Künstlerbuch „of course blue affects my way of shitting“ Petrit Halilaj, 2014

Galeriepreis: € 3.000,–
Eingeliefert von Petrit Halilaj und Chert, Berlin
Courtesy Petrit Halilaj und Chert, Berlin


Die Quelle der künstlerischen Arbeit Petrit Halilajsist seine Biografie. Geboren im Kosovo, floh Halilaj mit seiner Familie nach Italien und kehrte fortan nur sporadisch zurück. Das sensible und behutsame Werk Halilajs aber geht über seine persönliche Geschichte weit hinaus. Die vorliegende Papierarbeit ist Teil eines Projekts, in dem Petrit Halilaj im Jahr 2013 die Sammlung des ehemaligen Naturkundemuseums von Pristina rekonstruierte. Die präparierten Tiere waren nach politischen Umstürzen in Folge des Krieges im Keller der Zersetzung preisgegeben und für die Naturwissenschaft verloren. Halilaj gab ihnen in der Kunst eine neue Heimat. Die Wunden, die die Geschichte in die Exponate gefressen hatte, verhüllt der Künstler respektvoll mit Masken aus Papier. 2011 präsentierte Halilaj mit großem Presseecho eine berührende Rauminstallation auf der Art Basel und repräsentierte 2013 sein Heimatland auf der Biennale in Venedig. Die Bundeskunsthalle und der Kölnische Kunstverein widmeten dem Künstler in diesem Jahr große Einzelausstellungen.

 

Petrit  Halilaj - Several birds fly away when they understand it, 2013

LOS 26
Hubertus Hamm
*1950 in Werdohl im Sauerland, lebt und arbeitet in München
Haiku, 2014
C-Print auf thermoelastischer, synthetischer Platte
200 × 150 × 26 cm
Unikat
Signiert: verso

Galeriepreis: € 15.500,–
Eingeliefert von Hubertus Hamm
Courtesy Galerie Kornfeld, Berlin


Der Baum ist für Hubertus Hamm elementares Bild der Natur und des Ursprungs. Er ist gleichzeitig Symbol des Ewigen und Momentanen –ein Urbild des Lebens. Der Münchner Fotograf spürt in seinem Werk „Haiku“ dieser metaphysischen Dimension seines Motivs nach. Zu sehen ist ein Baum. Seiner Umgebung entrückt ragt er vom unteren Bildrand in eine sich wölbende und windende Bildfläche hinein. Die Wellenförmige Bewegung des Bildträgers scheint dem Motiv in eine dritte Kraft dimension zu folgen. Über den abgebildeten Baum verbleibt fast die Hälfte des Formates leer – damit verbindet der Künstler den Baum nicht mit der Erde, in der er wächst, sondern mit dem ätherischen Raum in den er hineinragt. Die poetische Entrückung seines Motivs unterstreicht Hamm noch einmal in der Titelgebung. In der japanischen Dichtkunst ist ein Haiku ein Gedicht, das durch Verknappung und Auslassung eine Wahrheit und Gegenwärtigkeit zu schaffen vermag, die nicht in den Worten selbst, sondern in ihrem Nachhall entsteht. Dabei liegt einem Haiku stets, ganz wie bei Hubertus Hamm, eine unmittelbare Realität zugrunde, die es nüchtern und in komponierten Fragmenten nur skizziert. Hubertus Hamm ist mit Einzelausstellungen global vertreten. Vergangenes Jahr stellte er im Yuan Art Museum, Peking; Nationaltheater München sowie in Galerien in München und Berlin aus. 2013 widmeten das SPSI Art Museum in Shanghai sowie 2010 – 2011 Die Neue Sammlung in der Pinakothek der Moderne dem Künstler Einzelpräsentationen. Arbeiten von Hubertus Hamm sind in den Sammlungen des Deutschen Hygiene-Museums, Dresden, sowie des Neuen Museums Nürnberg vertreten. Im kommenden Jahr plant die Galerie Kornfeld eine Einzelpräsentation mit Hubertus Hamm.

Hubertus  Hamm - Haiku, 2014

LOS 23
Charline von Heyl
*1960 geboren in Mainz, lebt und arbeitet in New York/USA
Nuke Face, 2014
Acryl und Kohle auf Karton
30,5 × 22,9 cm
Zertifikat

Galeriepreis: € 19.500,–
Eingeliefert von Charline von Heyl und Galerie Gisela Capitain, Köln
Courtesy Charline von Heyl, Galerie Gisela Capitain, Köln und Petzel, New York
Foto: Jeason Mandella


In der großen Malereiausstellung „Painting 2.0“ im Museum Brandhorst ist sie mit einem zentralen Werk vertreten, und ihre Zeichnungsmappe „Black Sun“ zählt zu den lang gehegten Ankaufswünschen der Staatlichen Graphischen Sammlung, die PIN. 2015 erfüllen wird. Die Rede ist von der in Deutschland geborenen, seit vielen Jahren in New York lebenden Künstlerin Charline von Heyl. Im Lauf ihrer mittlerweile 25-jährigen Schaffenskarriere ist sie eine wichtige Stimme in der internationalen aktuellen Malerei geworden. Nach ihrem Studium bei Jörg Immendorff in Hamburg siedelte von Heyl Anfang der 1990er Jahre nach Düsseldorf über, wo sie in Auseinandersetzung mit der damals vorherrschenden konzeptuellen Kunst ihr unverwechselbares malerisches OEuvre entwickelte. Für Charline von Heyl gibt es keinen Gegensatz zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion, Malerischem und Grafischem,kontrollierter Strenge und gestischer Dynamik, präzise gesetztem Detail und experimenteller Spur. Mit einem Repertoire an Formen, das sie fast spielerisch immer wieder neu kombiniert und stetig erweitert, lässt die Künstlerin Bezüge zum menschlichen Körper, zur Natur oder zu einem Muster anklingen, um all das im gleichen Atemzug zu verweigern. Jeder spezifische Kontext wird bewusst verwischt, und eine konkrete Lesart muss ausbleiben. Auch „Nuke Face” suggeriert durch den Bildtitel, durch die Farbwahl, durch Zeichen, Konturen und Binnenstrukturen Benennbares, beispielsweise ein Porträt. Doch das „Gesicht” entzieht sich unserer erkennenden Wahrnehmung, bleibt ein Rätsel – und damit frei. Charline van Heyl war 2014 auf der Whitney Biennial vertreten. Sie hatte u.a. Einzelausstellungen in der Tate, Liverpool; dem Institute of Contemporary Art, Boston; der Wiener Secession und ist in den Sammlungen u.a. des Art Institute of Chicago; FRAC, Reims; des Kemper Art Museum, St. Louis; MoMA, New York; MOCA, Los Angeles, und der Tate, London, vertreten. Die Deichtorhallen Hamburg planen 2017 eine große Retrospektive zum Werk von Charline von Heyl.

Charline  von Heyl - Nuke Face, 2014

LOS 27
Andy Hope 1930
*1963 in München, lebt und arbeitet in Berlin
Rainbow Canyon, 2007
Öl auf Karton
50 × 40 cm
Signiert: recto

Galeriepreis: € 20.000,–
Eingeliefert von Andy Hope 1930
Courtesy Andy Hope 1930, Hauser & Wirth, London/Zürichund Guido Baudach, Berlin
Foto: Roman März


„Rainbow Canyon“ – ein Titel wie für einen Hollywood-Western. Andy Hope 1930 nutzt ihn als Überschrift auch im Bild selbst. Man sieht eine Figur vor einer Bergkette. In schnellen schwarz-grau-monochromen Pinselstrichen skizziert der Künstler die Szenerie. Ein schwarzes Rund über dem Kopf der Figur, einem düsteren Heiligenschein ähnlich, definiert sie als Cowboy. Ein abgezeichnetes Filmposter vielleicht, doch so einfach kommt der Betrachter nicht davon. Hope legt Spuren, die die homogene Narration irritieren. Auf der angeschnittenen Brust des Cowboys prangt ein Symbol, nur zu etwa einem Drittel sichtbar. Eine Linie definiert den Umriss des Superman-Zeichens, in dessen Zentrum jedoch nicht das bekannte „S” steht, sondern allem Anschein nach ein Davidstern. Damit erklärt der Maler John Wayne keineswegs zum zionistischen Kämpfer, vielmehr ist es eine Referenz auf einen ganz eigenen Hope’schen Kosmos. Wenn der mit bürgerlichem Namen Andreas Hofer heißende Maler seine Werke mit „Andy Hope 1930” signiert, rekurriert er damit auf einen Zeitpunkt radikaler Umbrüche in der westlich-europäischen Kulturgeschichte. Die großen Avantgarden fielen in jenen Jahren zerstörerischen Ideologien zum Opfer, deren pathetische Ikonografien die vorwärtsgewandte Moderne überlagerten, um später gemeinsam mit ihr im westlichen Pop-Amalgam aufzugehen. Eine postapokalyptische Ursuppe, aus deren untoter Staffage Hope sein Bilduniversum konstruiert. Zwielichtige Heroen und finstere Schurken tauchen darin auf, nur vage angelegt und doch auf unheimliche Weise dem Betrachter vertraut. Andy Hope 1930 ist in wichtigen Sammlungen vertreten, u. a. im Lenbachhaus, München; im Museum Abteiberg, Mönchengladbach; im MMK, Frankfurt; im Centre Georges Pompidou, Paris; der Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundes republik Deutschland sowie in international bedeutenden Privatsammlungen.

Andy  Hope 1930 - Rainbow Canyon, 2007

LOS 3
Andreas Horlitz
*1955 in Bad Pyrmont, lebt und arbeitet in München
Autoportrait Nocturne X, 2005
Teilverspiegeltes und schwarz hinterlegtes Glas
Durchmesser 120 cm
Edition 2/3

Galeriepreis: € 28.000,–
Eingeliefert von Andreas Horlitz
Courtesy Andreas Horlitz © 2015, VG Bild-Kunst, Bonn


Wörtlich übersetzt bedeutet der Titel des Werks „Autoportrait Nocturne“ von Andreas Horlitz „Nächtliches Selbstbild“. Der Künstler porträtiert sich also selbst, doch er tut das nicht in der Weise, wie es Generationen seiner Künstlerkollegen vor ihm taten. Statt mit seinem Abbild, das ein Wiedererkennen ermöglichen würde, konfrontiert Horlitz den Betrachter mit einem hochsensiblen, fast abstrakten Detail. Nur seine rechte Iris bildet er in starker Vergrößerung und von jeder Körperlichkeit freigestellt als teils verspiegeltes, teils tiefschwarzes Rund ab. Die Struktur der menschlichen Iris ist so unverwechselbar wie ein Fingerabdruck und so porträtiert sich der Künstler in seinem Werk auf eine fast unheimlich konkrete Weise. Ein Erkennen seiner Person aber ist nicht möglich. Zu nah, zu detailliert ist die Ansicht und deswegen für den Betrachter nicht decodierbar. Die verspiegelten Teilflächen der Arbeit projizieren schließlich die Idee des Porträts auf den Betrachter zurück, der sich selbst in der Iris des Künstlers erblickt. Der Betrachter wird zum Porträtierten. Er erfährt sich selbst als Objekt der Anschauung durch das Kunstwerk und dessen tiefschwarze, unendlich wirkende Pupille. Diese Verschiebung sicher geglaubter Wahrnehmungshierarchien und Identitätsprinzipien ist typisch für das Werk des Münchner Künstlers. Andreas Horlitz war in seiner Karriere mit Einzelausstellungen bereits u.a. im Museum Folkwang, Essen, und dem Sprengel Museum, Hannover, vertreten. Seine Werke wurden gezeigt in wichtigen Institutionen wie der Villa Stuck und dem Haus der Kunst, München; dem Lehmbruck Museum, Duisburg; der Kunsthalle Kiel und dem ZKM in Karlsruhe. Neben seiner Ausstellungstätigkeit schuf Andreas Horlitz eine Vielzahl permanenter Installationen, unter anderem für Kirchen, Privatsammlungen, Museen und Bibliotheken.

Andreas  Horlitz - Autoportrait Nocturne X, 2005

Anne Imhof
*1978 in Gießen, lebt und arbeitet in Frankfurt am Main und Paris

Beautiful Hole, 2014
Schwarzes Aluminium Dibond, Lack
140 × 100 cm
Unikat

Galeriepreis: € 5.800,–
Eingeliefert von Anne Imhof
Courtesy Galerie Deborah Schamoni,
München und Anne Imhof
Foto: Ulrich Gebert


Ausgangspunkt von Anne Imhofs Arbeiten ist
das Performative. Die im Hier und Jetzt ver -
ortete, künstlerische aber auch körperliche
Handlung ist die Basis des zunächst heterogen
erscheinenden ästhetischen Kosmos der
Künstlerin. Ihre Dibond-Radierungen, Zeichnungen
und Skulpturen sind gekennzeichnet
durch eine starke, fast affekthafte Gestik, die
eher als Spur, denn als bewusstes Aufzeigen
die Arbeiten formt. „Beautiful Hole“, eine
Arbeit auf schwarz lackiertem Alu-Dibond hat
im oberen Drittel ein kreisrundes, akkurates
Loch, das wie ein Auge in der Fläche sitzt.
Während von der Vorderseite dieser Eindruck
bestehen bleibt, findet man auf der Rückseite
der doppelseitig zu betrachtenden Arbeit
Einritzungen. Einer Verletzung gleich durchziehen
diese die schwarze Fläche. „Beautiful
Hole“ war ausgestellt in Imhofs Ausstellung
im Carré d’Art, Musée d’art contemporain
de Nîmes. Imhof ist 2015 Preisträgerin der
Neuen Nationalgalerie, Berlin. 2016 zeigt
die Kunsthalle Basel eine Einzelausstellung
der Künstlerin.

Anne  Imhof - Beautiful Hole, 2014

LOS 13
Erez Israeli
*1974 in Beer Sheva/Israel, lebt und arbeitet in Tel Aviv/Israel
Crying Eye, 2015
Druck auf Holz, 4 Messzangen
ca. 180 × 97 × 4 cm
Signiert: verso

Galeriepreis: € 8.000,–
Eingeliefert von Galerie Crone, Berlin und Erez Israeli
Courtesy Galerie Crone, Berlin und Erez Israeli


Der israelische Künstler Erez Israeli ist ein Shootingstar der heimischen Szene in Tel Aviv und seit viele Jahren regelmäßiger Gast in Berlin. Er liebe das Berghain, sagte Israeli einmal, doch das ist mit Sicherheit nicht der einzige Grund seiner steten Rückkehr. Die Zerrissenheit der Stadt, ihr Flickencharakter, ihre Dynamik, über Wunden hinauszuwachsen ohne diese zu negieren, fasziniert Erez Israeli. Auch er arbeitet sich an Zerrissenheit, an Identität und Vergangenheit ab. Dabei sind es wunderbar pure Materialien und klare Konzepte, die sich in der Arbeit Israelis zu beeindruckender Intensität verdichten. In „Crying Eye“ komponiert der Künstler eine Wandarbeit aus einem einfachen, aus Holz geschnittenen und bedruckten Auge und einer Reihe medizinischer Messzangen. Das Auge selbst blickt ungerührt ruhig in den Ausstellungsraum, erst die Messzangen bringen es zum „Weinen“. Es sind Zangen, wie sie in der Medizin genutzt wurden. Erez Israeli mahnt mit dieser Referenz, didaktisch aber wird er dabei nie. So emanzipiert sich das „Crying Eye“ von seiner primären Deutungsmöglichkeit zur ebenso friedlichen wie universal gültigen Erinnerung an ein waches und behutsames Miteinander, ohne dieses mit einem Schuldvorwurf zu beladen. Neben Einzelausstellungen, u. a. im Tel Aviv Museum of Art, dem Herzliya Museum of Contemporary Art und dem Center for New Media werden Erez Israelis Arbeiten auch in internationalem Rahmen gezeigt. 2005 war Israeli in der Ausstellung „The New Hebrews: A Century of Art in Israel“ im Martin-Gropius-Bau in Berlin vertreten. Anfang 2015 tauschte er für drei Monate sein Atelier in Tel Aviv mit dem Berliner Künstler Norbert Bisky. Der Künstleraustausch anlässlich des 50. Jahrestags der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel sorgte für ein großes Medienecho und wurde unter anderem vom Magazin der Süddeutschen Zeitung dokumentiert. Arbeiten von Erez Israeli finden sich u.a. in der Kunstsammlung des Deutschen Bundestags.

 

Erez  Israeli - Crying Eye, 2015

LOS 22
Sergej Jensen
*1973 in Maglegaard/Dänemark, lebt und arbeitet in Berlin und New York/USA
Untitled, 2015
Pastell auf grundiertem Leinen
45 × 45 cm
Signiert: verso

Galeriepreis: € 17.500,–
Eingeliefert von Sergej Jensen
Courtesy Sergej Jensen und Galerie Neu, Berlin
Foto: Thomas Müller


Vor allem eines scheint der Maler Sergej Jensen vermeiden zu wollen – das Malen. Was sich zunächst absurd und blockierend anhört, verwandelt sich im Werk des Künstlers in eine überraschend reiche künstle - rische Sprache und malerische Materialpoesie. Werke wie „Untitled“ vermitteln eine stille Authentizität und zurückhaltende Wahrheit. Jensen komponiert aus einem bewusst poveren Materialfundus, setzt klassisch malerische Pigmente auf profanes Textil, Pastellkreiden auf rohe Holzplatten. Pastos ist die blassgelbe Pastellkreide auf den hölzernen Bildgrund gerieben, als hätte der Künstler sie in ihn hineinarbeiten wollen. Die feine Zeichenkreide wird zur sandigen Fläche, die das Holz unter sich begräbt. Sergej Jensen spielt mit der archaischen Geste des Aufbruchs, mit der Aura der Avantgarde. Die Unmittelbarkeit des Bildes, Schlachtruf und Glorie vergangener Malerfürsten, ist bei Jensen lässiger Spielball seiner Konstruktionen. Die Metaphysik der modernen Malerei zitiert er als Style, den Mythos der Expression als erzeugte Laune des Materials – und dennoch: trotz seines Zurücktretens als Künstler verlieren die Werke nichts an Anziehung und Kraft, im Gegenteil, in eben dieser Befreiung liegt das Wunderbare dieser Malerei. Sergej Jensens Arbeiten wurden in international wichtigen Gruppenausstellungen wie „Decorum“ im Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris (2013); „Time Again“ im Sculpture Center, New York (2011); „All of this and Nothing“, „6 Hammer Invitational“ im Hammer Museum, Los Angeles (2011); „Annette Kelm, Sergej Jensen, Wolfgang Breuer” bei Kunstwerke Berlin (2009); „Of Mice and Men“ auf der Berlin Biennale (2006); beim Momentum Nordic Festival Contemporary Art, Moss (2006), und der São Paulo Biennial (2004) gezeigt. 2008 schuf Sergej Jensen gemeinsam mit Henrik Olsen eine Rauminstallation in der Pinakothek der Moderne, München, die Malerei und Skulptur miteinander verband.

Sergej  Jensen - Untitled, 2015

Caro Jost
*1965 in München, lebt und arbeitet in New York/USA und München
421 East 6th Street, New York, – former live / work space of Walter de Maria, 2014
Acryl, Streetprint auf Leinwand, Stahlrahmen
61 × 46 × 8 cm
Signiert: verso

Galeriepreis: € 5.900,–
Eingeliefert von Caro Jost
Courtesy Galerie 401contemporary, Berlin


Caro Jost ist eine Spurensucherin. Mit ihren „Streetprints“ bannt sie gelebte Kunstgeschichte auf Leinwand. Wirkungsstätten wichtiger Künstler, vor allem der 1960er Jahre, besucht und dokumentiert sie auf der ganzen Welt. Mittels einer speziell beschichteten Leinwand nimmt sie Abdrücke der Straßen vor den auratischen Orten – Strukturen, die sich als rätselhafte Reliefs einprägen. Die Arbeit „421 East 6th Street, New York, – former live / work space of Walter de Maria“ verweist demnach auf die Adresse des Gebäudes in dem Walter de Maria bis zu seinem Tod 2013 lebte und arbeitete. Caro Josts Werke sind in der Colección Jumex, Mexico City; der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, München, sowie im Archiv des MoMA, New York, und der Guggenheim Collection vertreten. Für 2016 planen das Sarasota Museum of Art, Florida, und die Galerie 401contemporary, Berlin, Präsentationen von Arbeiten der Künstlerin.

Caro  Jost - 421 East 6th Street, New York, – former live / work space of Walter de Maria, 2014

LOS 29
Benjamin Katz
*1939 in Antwerpen/Belgien, lebt und arbeitet in Köln
Gerhard Richter, 1984
Silbergelatine auf Baryt, Vintage Print
39 × 26,5 cm
Unikat

Galeriepreis: € 6.000,–
Eingeliefert von Benjamin Katz und
Galerie Sabine Knust – Matthias Kunz, München
Courtesy Benjamin Katz und Galerie Sabine Knust – Matthias Kunz, München
Foto: Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München © 2015, VG Bild-Kunst, Bonn


Benjamin Katz hat jahrzehntelang als künstlerischer Chronist seine Künstlerkollegen begleitet, ein heiterer Flaneur, den man nie ohne seine Leica-Kamera antrifft. Als porträtierender Fotograf ist er selbst Künstler. Katz beobachtet nicht nur, sondern agiert auch selbst. 1963 eröffnete er gemeinsam mit Michael Werner die Galerie Werner & Katz, Grundlage für die Galeristen-Karriere des einen und den Freundeskreis des anderen. Die Freunde und das eigene Leben sind sein unerschöpf - liches Material. Hunderttausende Aufnahmen hat er im Laufe der Jahrzehnte gemacht: Stillleben, Straßenszenen, Porträts oder aber immer wieder, wie in der vorliegenden Arbeit, intime Ateliersituationen. Katz‘ Porträts lassen ebenso den Schaffensprozess wie das Wesen eines Künstlers sichtbar werden. Er zeigt ihre Suche nach einer Lösung, ihr Glück im Augenblick des Findens, aber auch das Selbstbild, das sie transportieren wollen. Ganz unbefangen und oft voller Humor inszenieren sich Katz‘ Modelle vor seiner Kamera. Katz teilt das Privileg seiner Freundschaft mit dem Betrachter und gewährt einen Blick aus seiner Perspektive auf den arbeitenden Gerhard Richter. Die vorliegende Fotografie ist von Katz nur ein einziges Mal abgezogen und rückseitig signiert – ein unikates Kunstwerk und gleichzeitig ein einzigartiges Zeitdokument. Benjamin Katz stellt regelmäßig in internationalen Institutionen aus, teilweise gemeinsam mit dem eng befreundeten Georg Baselitz. So etwa im Helsinki Art Museum im Jahr 2010, im Kunstmuseum Bremerhaven 2007 oder in der Villa Faravelli in Imperia 2005. Werke von Matthias Katz sind u.a. in der Kunstsammlung Nordrhein- Westfalen, Düsseldorf vertreten. Für kommendes Jahr plant das Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris eine große Präsentation und einen umfangreichen Ankauf von Benjamin Katz’ Arbeiten.

Benjamin  Katz - Gerhard Richter, 1984

Paco Knöller
*1950 im schwäbischen Obermarchtal, lebt und arbeitet in Berlin
Künstliche Paradiese – Schlafmohnalphabet 84, 2015
Ölkreide und Lack auf Holz
40 × 40 × 6 cm 
signiert: verso

Galeriepreis: € 6.800,–
Eingeliefert von Paco Knöller und Galerie Karsten Greve, Köln
Courtesy Paco Knöller und Galerie Karsten Greve, Köln
Foto: Jochen Littkemann, Berlin


Paco Knöller arbeitet an der Grenze zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion. Die Arbeit „Künstliche Paradiese – Schlafmohnalphabet 84“ gehört zum bislang umfangreichsten Werkzyklus Paco Knöllers – dem „Schlafmohnalphabet“. Dabei spielt Knöller mit der Assoziation, die Malerei wird qua Titel dem Opium nahegestellt und damit zum Rauschzyklus. Komposition verschwimmt zu Halluzination. Die charakteristische Form der Mohnkapsel durchzieht die Serie und wird von Paco Knöller durch Schwebezustände bis an den Rand der Gegenständlichkeit dekliniert. Durch Überlagerung farbiger Ölkreiden und Lacke schafft Knöller einen tiefen, fast atmenden Farbgrund, auf dem die Linien zu vibrieren scheinen. Knöllers Arbeiten waren in großen Institutionen zu sehen wie u.a. der Kunsthalle Düsseldorf; Nationalgalerie, Berlin; Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf; dem Sprengel Museum, Hannover; Hamburger Bahnhof Berlin sowie der Kunst - halle Bremen. Ab April 2016 widmet ihm die Galerie Karsten Greve eine Ausstellung.

Paco  Knöller - Künstliche Paradiese – Schlafmohnalphabet 84, 2015

LOS 16
Jutta Koether
*1958 in Köln, lebt und arbeitet in Berlin und New York/USA
Benefit Boogie, 2015
Acryl auf Leinwand und Holz
35-teilig, je 30 × 30 cm
Signiert: jeweils verso

Galeriepreis: € 57.000,–
Eingeliefert von Jutta Koether
Courtesy Galerie Buchholz, Köln/Berlin
Foto: Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München


Die Arbeit „Benefit Boogie“ wurde von Jutta Koether speziell für die Auktion anlässlich der PIN.-Party 2015 geschaffen. Diese wunderbare Geste unterstreicht auf sehr unpathetische und leichte Weise auch der Titel der Arbeit. Gleichzeitig aber bezieht das Werk einen festen Platz im OEuvre der Künstlerin. Es ist die dritte Arbeit der Boogie-Serie, die mit „Berlin Boogie“ im Jahr 2014 begann und sich mit „Brooklyn Boogie“ 2015 fortsetzte. „Benefit Boogie“ besteht aus 35 Leinwänden oder Holztafeln, die – jeweils für sich ein eigenständiges Gemälde – erst gemeinsam ein Werk formen. Die Rasterformationen der Gemälde, die „Grids“, wie Jutta Koether sie beschreibt, setzen den Bildgrund, die Fläche des Bildes selbst ins Zentrum. In ein solches Gitternetz webt die Künstlerin ihre Gedanken als bildnerische Gesten ein. Spuren über die Bildfläche legend, von einem Ende zum anderen tanzend, führt er und der Betrachter folgt. Wie beim Partyspiel Twister biegt und dreht die Künstlerin den Betrachter: mit einem Auge auf dieses, mit einem Gedanken auf jenes Feld. Jutta Koether spricht von den Gemälden als „Raster mit expressiven und emotionalen Störungen“, als „Bruised Grids“, und hält damit die Balance zwischen Bildtheorie und „Boogie“. Jutta Koethers Arbeiten wurden in den letzten Jahren u.a. im MUMOK Wien; Museum Brandhorst, München; Bonnefantenmuseum, Maastricht; Moderna Museet, Stockholm; New Museum, New York; Museum of Modern Art, Los Angeles; Whitney Museum of American Art, New York, sowie der Tate Modern, London, gezeigt. Werke der Künstlerin sind in wichtigen Sammlungen vertreten, u.a. im Museum Brandhorst, München; The Whitney Museum of American Art und MoMA, New York; Museum of Contemporary Art, Los Angeles; der Neuen Nationalgalerie, Berlin, und dem Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris. In der aktuellen Ausstellung „painting 2.0“ im Museum Brandhorst ist Jutta Koether prominent vertreten.

Jutta  Koether - Benefit Boogie, 2015

Peter Krauskopf
*1966 in Leipzig, lebt und arbeitet in Berlin
Altes Bild, B 191114, 2014
Öl auf Leinen
56 × 50 × 5 cm
Signiert: verso

Galeriepreis: € 5.000,–
Eingeliefert von Peter Krauskopf
Courtesy Walter Storms Galerie, München
Foto: Jörg Schaller, Berlin © 2015, VG Bild-Kunst, Bonn


Wenn Peter Krauskopf ein Werk aus dem Jahr´2014 als „Altes Bild“ bezeichnet, ist naheliegend, dass er sich dabei nicht auf die Zeitlichkeit der Entstehung beziehen kann. Seine Malerei ist in ihrer kompositorischen Sprache und technischen Handwerklichkeit ganz zweifellos zeitgenössisch. Krauskopf komponiert mit Farbe auf Leinwand, ergibt sich mit aller Intensität an dieses pure Prinzip. Dabei lässt er das Material der Farbe als gestaltende Instanz zu, verzichtet auf die Kontrolle des fein geführten Pinsels, setzt Farben mit Spachtel, Rakel und Schaber neben und übereinander. Krauskopf wird von Galerien u.a. in Leipzig, Berlin und München vertreten. 2012 widmete ihm das Schaukabinett im Albertinum der Galerie Neue Meister in Dresden eine Einzelausstellung, ebenso 2008 die Kunsthalle Lingen. Präsentiert wurden seine Arbeiten u.a. in der Sammlung des Albertinums, Dresden; dem Ludwig Forum Aachen; Nationalmuseum Breslau; Kunstverein Ludwigshafen und MuseumSchloss Morsbroich in Leverkusen.

Peter  Krauskopf - Altes Bild, B 191114, 2014

LOS 1
Jan Kuck
*1978 in Hannover, lebt und arbeitet in Berlin
I want to be an artist too, 2015
Plexiglas, Neon
32 × 60 cm
Auflage 3/7 + 1 AP

Galeriepreis: € 3.500,–
Eingeliefert von Jan Kuck und Bernheimer Contemporary
Courtesy Bernheimer Contemporary
Foto: Dirk Biotto


„I want to be an artist too” – dieser Wunsch ist auch in der Vita des vielversprechenden Newcomers Jan Kuck verankert. Geboren 1978 in Hannover, studierte Kuck zunächst Jura und schloss danach ein Magisterstudium in Philosophie und Geschichte ab, bevor er Anfang der 2000er Jahre seine ersten Performances und konzeptbasierten Objekte kreierte. Kucks Kunst arbeitet sowohl den Witz als auch die Tragik unserer heutigen Gesellschaft mit Finesse heraus. Seine Materialien wählt er seinen Themen entsprechend: ein Brot aus Beton, eine Installation aus Spiegeln und Farbpigmenten, Holz und LED-Leuchten. Die vorliegende Neon-Installation ist eine Hommage an die künstlerische Existenz und an die Sehnsucht des Menschen, das eigene Tun im Sinne von Beuys mit dem Anspruch aufzuladen, eine für die Gesellschaft positive Wirkung zu entfalten. Kuck lebt seit 2004 in Berlin.

Jan  Kuck - I want to be an artist too, 2015

LOS 15
Wolfgang Laib
*1950 in Metzingen, lebt und arbeitet in Hochdorf bei Biberach am Bodensee
Passageway. Inside – Downside, 2011/12
1 Messingschiff, Reis
13 × 15 × 56 cm
Unikat
Zertifikat

Galeriepreis: € 45.000,–
Eingeliefert von Wolfgang Laib
Courtesy Wolfgang Laib
Foto: Ulrich Ghezzi


2015 wird der Konzeptkünstler und Bildhauer Wolfgang Laib für sein Lebenswerk mit dem weltweit wichtigsten Kunstpreis, der japanischen Auszeichnung „Praemium Imperiale“ geehrt. In der Jurybegründung heißt es, Laib spüre mit seinen organischen Arbeiten aus Materialien wie Blütenstaub, Wachs oder Reis den zentralen Fragen der Menschheit nach. Schon seit 40 Jahren arbeitet der Künstler mit Milch und Blütenstaub. 1983 verwendet er erstmals auch das so bescheidene wie auch kostbare Nahrungsmittel Reis. Beeinflusst durch die indische Philosophie und Lebensweise, benutzt Laib Reis als Allegorie für spirituelle Nahrung. Zusätzlich bedient er sich einer reduzierten, geometrischen Formensprache. Körper wie Rechtecke, Pyramiden oder Kreise wandeln sich in Häuser, Berge oder, wie im Fall von „Passageway. Inside – Downside“, in ein Schiff. Die offene Form erinnert an Aufbruch und Leben, aber auch an den Kampf des Menschen mit der Naturgewalt. Der Künstler inszeniert in vielen seiner Werke das Gleichgewicht zwischen Beständigem und Flüchtigem, Bewegung und Stille, Materiellem und Immateriellem, wobei er dem Sammler bei der Installation der Arbeit durchaus Freiheit lässt. Laibs Arbeiten belegen ein tiefes Bedürfnis,
den Sinn des Lebens zu ergründen. Mit seinen ruhigen und zeitlosen Arbeiten lädt Laib den Betrachter ein, jenseits der Alltagswelt in einen Raum der Stille, Ruhe und Reinheit einzutauchen und eine mentale Reise in die Nähe des Transzendenten zu unternehmen. Neben der Bespielung des Deutschen Pavillons auf der Biennale in Venedig 1982, wurde Laib mehrfach zur documenta nach Kassel eingeladen. Internationale Retrospektiven im Hirshhorn Museum, Washington D.C.; Haus der Kunst, München; National Museum of Modern Art, Tokyo, und im MoMA, New York, verhalfen Wolgang Laib zu internationalem Ruhm. Sein Werk ist in bedeutenden öffentlichen Sammlungen vertreten. 2014 erwarb PIN. eine große Blütenstaubarbeit für die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen.

Wolfgang  Laib - Passageway. Inside – Downside, 2011/12

LOS 8
Jim Lambie
*1964 in Glasgow / Schottland, lebt und arbeitet in Glasgow / Schottland
Metal Box (Airwaves), 2015
Aluminium und polierte Stahlplatten, Lack
125 × 125 × 35 cm
Signiert: verso

Galeriepreis: € 77.400,–
Eingeliefert von The Modern Institute / Toby Webster Ltd, Glasgow
Courtesy Jim Lambie and The Modern Institute / Toby Webster Ltd,Glasgow
© 2015, VG Bild-Kunst, Bonn


Eigentlich wollte Jim Lambie Musik machen. Schon in der Schulzeit spielte er in Bands, erzählte er in einem Interview für die Tate London, doch er sei ein furchtbarer Musiker gewesen und so eben Künstler geworden. Die Affinität zur Musik aber ist geblieben. In seinen „Zobop“ Bodeninstallationen bringt Lambie ganze Museumssäle zum Vibrieren – verwandelt sie in stumme, rein optische Diskotheken. Die Arbeit „Metal Box (Airwaves)“ ist in ganz ähnlicher Weise rhythmisiert. Acht übereinander montierte Stahl- und Aluminiumplatten, lackiert in unterschiedlichenFarben, bilden die Wandskulptur. Die Ecken der Metallplatten sind aufgebogen, ähnlich gestapelter Poster, deren Ecken sich nach einiger Zeit zu wellen beginnen. Erst durch diese „Störung”, wird die Farbigkeit aller Platten sichtbar. Sie strahlen in bunter Lackierung aus dem nüchternen Quadrat heraus. Der farbige Rhythmus des aufgebrochenen Fächers lässt die Form leicht erscheinen, fast vibrierend. Jim Lambie bringt damit das Quadrat, die oft zitierte Grundform der Kunst, zum Klingen, und dies obendrein aus der Form selbst heraus. Der Zusatztitel „Airwaves“ erinnert erneut an die Wellenform des akustischen Signals, das auf unsichtbare Weise Menschen verbindet. Für Jim Lambie ist diese verbindende Kraft der Musik eine Kernqualität, die auch in seiner Kunst Maßstab und Ausrichtung ist. So ist es für den Künstler selbstverständlich, dass der von ihm selbst betriebene Musikclub in Glasgow Teil seiner zkünstlerischen Arbeit ist. Jim Lambie studierte an der renommierten Glasgow School of Art und wurde im Jahre 2005 für den Turner Prize nominiert. Seine Arbeiten wurden unter anderem im MoMA, New York; dem Hara Museum, Tokyo; dem Hirshhorn Museum, Washington; dem ACCA, Melbourne; der Gallery of Modern Art, Glasgow, sowie in der Goss Michel Foundation, Dallas, gezeigt.

Jim  Lambie - Metal Box (Airwaves), 2015

Alex Lebus
*1980 in Magdeburg geboren, lebt und arbeitet in Berlin
Der goldene Durchschnitt I, 2014
Dreiteiliger Paravent, Spiegel, Holz,Scharniere
204 × 46 × 2,6 cm
Unikat
Signiert: verso
Zertifikat

Galeriepreis: € 5.000,–
Eingeliefert von Alex Lebus
Courtesy Alex Lebus und Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin
Foto: Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München © 2015, VG Bild-Kunst, Bonn


Die Ambivalenz und Widersprüchlichkeit des Seins bildet den Ausgangspunkt für das künstlerische Schaffen der jungen Künstlerin Alex Lebus, welche von 2006 bis 2014 Freie Kunst an der HfBK Dresden unter Professor Eberhard Bosselt studierte. Die doppelgesichtige und dialektische Beschaffenheit des Spiegels dient Lebus
dabei als Vehikel, um das Verhältnis zwischen Schein und Wirklichkeit mit ästhetisch kühler Präzision auszuloten. In Werken wie „Der Goldene Durchschnitt I“ bearbeitet und platziert Lebus alte Spiegelgläser so gekonnt, dass das Gespiegelte bis zur Unkenntlichkeit verkehrt und verfremdet wird. Ihre innovative Auseinandersetzung mit dem Material wurde mit einem Ehrendiplom der Jutta Cuny-Franz Foundation und einer Förderkoje auf der Art Cologne gewürdigt. Renommierte Institutionen wie das Kunsthaus und die Städtische Galerie Dresden zeigten Lebus’ Werke. Ende 2015 ist eine Einzelausstellung im EIGEN + ART Lab geplant.

Alex  Lebus - Der goldene Durchschnitt I, 2014

Judy Ledgerwood
*1959 in Brazil, Indiana/USA, lebt und arbeitet in Chicago, Illinois/USA
Technocolor Sunset, 2014
Acrylgouache auf Twinrocker-Bütten
43 × 35,5 cm
Signiert: verso

Galeriepreis: € 3.300,–
Eingeliefert von Häusler Contemporary, München/Zürich
Courtesy Häusler Contemporary, München/Zürich


In ihrem jüngsten Werk setzt Judy Ledgerwood ihre kritische Auseinandersetzung mit der Formensprache und Tradition der modernen Malerei fort. Virtuos und großzügig gezogene Pinselstriche verblenden hier zu einem expressiv leuchtenden Farbfeld à la Mark Rothko und Barnett Newman, welches von einem goldenen
Rautenmuster verziert wird. Seit mehr als zwanzig Jahren verbindet Ledgerwood konkrete Abstraktion mit einer „femininen“ Sinnlichkeit und Formensprache aus Mode, Textildesign und dekorativer Kunst, um mit einer subversiven Leichtigkeit die männerdominierte ästhetische Orthodoxie der Moderne zu hinterfragen. Ledgerwood ist Professorin der Northwestern University, Illinois, und Trägerin mehrerer renommierter Auszeichnungen. Ledgerwoods Werke sind u.a. in den Sammlungen des Metropolitan Museum of Art, New York; des Museum of Contemporary Art, Los Angeles und des Kunstmuseums St. Gallen vertreten.

Judy  Ledgerwood - Technocolor Sunset, 2014

LOS 20
Zilla Leutenegger
*1968 in Zürich, lebt und arbeitet in Zürich
Bird Chair, 2015
Videoinstallation auf Wandzeichnung, eine Projektion, Farbe, kein Ton
Maße variabel
Edition 1/3
Zertifikat

Galeriepreis: € 17.900,–
Der Projektor ist nicht im Zuschlagspreis enthalten. Eine Installationsanleitung und Spezifikationen zur notwendigen Technik finden sich im mitgelieferten Zertifikat.
Eingeliefert aus Privatsammlung 
Courtesy Zilla Leutenegger und Galerie Peter Kilchmann, Zürich
Foto: Thomas Strub


Die Schweizer Künstlerin Zilla Leutenegger verbindet in ihren komplexen Installationen Zeichnung mit Projektion und Skulptur und erweitert auf singuläre Weise das zweidimensionale Bild in den Raum und die Bewegung. Zwischen 2004 und 2007 entstand ihre heute bekannteste Werkgruppe „Apartment“– sieben Projektionen, die einzelnen Räumen einer Wohnung wie der Küche, dem Bad oder der Bibliothek gewidmet sind. Bewohnt werden die nur andeutungsweise skizzierten und möblierten Zimmer vom androgyn anmutenden Alter Ego der Künstlerin, Z, das wir bei unspektakulären, sich wiederholenden Verrichtungen oder dem schlichten Nichtstun beobachten. In der Verbindung verschiedener Wahrnehmungs- und Realitätsebenen entstehen subtile, atmosphärisch verdichtete Erzählungen über das Dasein, in denen sich Leichtigkeit und Melancholie begegnen. Bei jeder Ausstellung erweitert die Künstlerin „Apartment“ um neu entstandene Arbeiten und führt die Idee eines lebendigen, sich in der Zeit entwickelnden Kunstwerks weiter. Hierzu zählt auch „Bird Chair“, eine 2015 entstandene Projektion, die aus Wandzeichnungen des bekannten Designklassikers von Harry Bertoia sowie einer vor allem in den 1970er Jahren oft kopierten Lampe des japanischen Gestalters Isamu Noguchi besteht. Letztere erhält ihr Licht über eine Projektion. „Ich mag es den Stuhl zu zeichnen“, so die Künstlerin, „weil er aus Linien besteht, einem Netz aus Strichen, und durch die Perspektive ein Volumen auf die Wand gezeichnet wird.“ Die Projektion wird auf das Eigentliche, das Licht, reduziert und ist zugleich ein bewegtes Bild. Zilla Leuteneggers Werke sind in zahlreichen öffentlichen Sammlungen vertreten, u.a. mit einem großen Werkkomplex in der Sammlung Götz. Ihre Arbeiten wurden zuletzt im Museum Franz Gertsch, Burgdorf (2014); Museum Morsbroich, Leverkusen (2013), sowie in der Weserburg, Museum für moderne Kunst, Bremen (2011), und im ZKMax, München (2007), ausgestellt. 2015 zeigte die Pinakothek der Moderne mit „Ring My Bell“ eine Solopräsentation der Künstlerin. Für das Jahr 2016 ist im Bündner Kunstmuseum, Chur, eine Einzelausstellung geplant.

Zilla  Leutenegger - Bird Chair, 2015

LOS 25
Markus Linnenbrink
*1961 in Kassel, lebt und arbeitet in Brooklyn, New York/USA
BELLSWON’TBERINGING (TRINELLE/BROOKLYN), 2012
C-Print, Epoxidharz auf Holz
91,4 × 63,5 cm
Signiert: verso

Galeriepreis: € 18.000,–
Eingeliefert von taubert contemporary, Berlin
Courtesy taubert contemporary, Berlin


Anknüpfend an seine zelebrierten „Drip Paintings” hat Markus Linnenbrink seit 2010 einen faszinierenden Zyklus von „Foto Drips” geschaffen, mit welchem er die Grenzen zwischen konkreter und abstrakter Kunst auslotet. In technischer Hinsicht von Jackson Pollock und Barnett Newman inspiriert, lässt Linnenbrink mit Farbpigmenten vermischtes Epoxidharz zu schmalen Rinnsalen verlaufen und erhärten. Die Materialität der Farbe wird dabei mit der Gegenständlichkeit der teils verdeckten Fotografien ergänzt. Indem Linnenbrink alte Reiseaufnahmen seines Vaters mit eigenen Fotografien seiner Wahlheimat New York verblendet, entsteht so ein hybrides Objekt voller Farb- und Erinnerungsschichten. Seit den späten 1980ern werden Linnenbrinks Werke international ausgestellt, u.a. im Kunstmuseum Bonn und im San Jose Museum of Art. 2014 zeigten die Kunsthalle Nürnberg und die Kunsthalle Recklinghausen Arbeiten von Markus Linnenbrink in Einzelausstellungen. Seine Werke sind weltweit in über vierzig Sammlungen vertreten, beispielsweise in der Sammlung Deutsche Bank, Frankfurt am Main; dem San Francisco Museum of Modern Art, und dem UCLA Hammer Museum, Los Angeles.

Markus   Linnenbrink - BELLSWON’TBERINGING (TRINELLE/BROOKLYN), 2012

Fiona Mackay
*1984 in Aberdeen/Schottland, lebt und arbeitet in Brüssel/Belgien
Youth, 2015
Textilfarbstoff auf Baumwoll-Synthetik-Gewebe
200 × 130 cm
signiert: verso

Galeriepreis: € 6.200,–
Eingeliefert von Fiona Mackay
Courtesy Fiona Mackay und Martin van Zomeren
Foto: Sander Tiedema, Amsterdam


Die 1984 in Aberdeen geborene Künstlerin Fiona Mackay hat sich in den letzten Jahren einen Namen mit ihren poetisch leuchtenden Batikbildern gemacht. Spielerisch und ausgelassen zieht sie dabei Inspiration von den großen Meistern der Moderne wie beispielsweise Mark Rothko, Barnett Newman oder Henri Matisse, aber auch von der Ästhetik der „Folk Art“. In einem kreativen Balanceakt zwischen Intentio und Zufall bedeckt Mackay ihre dünnen Leinwände mit flüssigen Batikfarbpigmenten, welche
oft auf unvorhersehbare Weise verlaufen, verwischen und trocknen. Ihre ebenso zarten wie ambivalenten Motive stehen dabei im Gegensatz zu der Monumentalität der Leinwand und präsentieren, wie Mackay erklärt, „a story which is always tentative, ephemeral and transitive = whimsical“. Mackay studierte an der Glasgow School of Art und nahm am Wiels Residency Program in Brüssel teil. Ihre Werke wurden u.a. im New Museum, Glasgow; De Ateliers, Amsterdam; der Kunsthal Amersfoort; der Cité inter - nationale des arts, Paris, und Wiels, Brüssel, ausgestellt.

Fiona  Mackay - Youth, 2015

LOS 21
Adam McEwen
*1965 in London/Großbritannien, lebt und arbeitet in New York/USA
Untitled, 2015
Inkjet Print auf Zelluloseschwamm
188 x 141 cm
Unikat
Signiert: verso

Galeriepreis: € 93.600,–
Eingeliefert von Adam McEwan und The Modern Institute/ Toby Webster Ltd, Glasgow
Courtesy Adam McEwan und The Modern Institute/ Toby Webster Ltd, Glasgow
Foto: Thomas Müller


Adam McEwen gehört nicht zu den Künstlern mit einem „signature style“. Seine internationale Bekanntheit hat er sich mit einer Vielzahl unterschiedlicher Ansätze erworben, zu denen Textarbeiten wie fiktive Nachrufe auf noch lebende Berühmtheiten, Kaugummibilder, Videoinstallationen sowie Grafitskulpturen von Alltagsgegenständen gehören. Und eben die Schwammbilder. Ihre Inspiration beziehen all diese Werkgruppen aus einer Mixtur von historischen Ereignissen, Bildern aus der Populärkultur und alltäglichen Erscheinungen, die das Stadtbild New Yorks kennzeichnen. Die „sponge paintings“, die als Bildträger ganz gewöhnlichen Zellstoffschwamm verwenden, sind mit Aufnahmen bedruckt, die McEwen von New Yorker Gehsteigen gemacht hat. Ihre spezifische Oberflächenbeschaffenheit aus Schmutz, vergossenen Flüssigkeiten und den allgegenwärtigen, schwarz gewordenen Kaugummiklumpen mutiert zu einer abstrakten Struktur. Um 90 Grad gedreht und von rechteckigen Farbfeldern koloriert, die in ihrer Anordnung auf konstruktivistische Formulierungen oder die amerikanische Hard- Edge-Malerei anspielen, verlieren die Darstellungen ihren unmittelbaren Bezug zur Wirklichkeit. Aus den Spuren von Schmutz, Nachlässigkeit und Gebrauch entstehen Kompositionen von abstrakter Schönheit, die ihrerseits durch die Verwendung von einem Trägermaterial, aus dem gewöhnliche Küchenschwämme hergestellt werden, gebrochen ist. Die Druckfarben dringen tief in die Poren des Schwammes ein, was den Arbeiten einen dreidimensionalen Aspekt verleiht. McEwen ist momentan in der Eröffnungsausstellung des neuen Whitney Museum of American Art zu sehen. Seine Werke befinden sich u.a. in der Rubell Collection, Miami; im Centre Georges Pompidou und der Fondation Louis Vuitton, Paris; im Guggenheim Museum, New York; sowie der Sammlung Stoschek, Düsseldorf; De la Cruz Collection, Miami, und der Colección Jumex, Mexico City.

Adam  McEwen - Untitled, 2015

LOS 2
Vera Mercer
*1936 in Berlin, lebt und arbeitet in Omaha, Nebraska/USA
Mushroom, 2013
Inkjet Print auf Hahnemühle Archival Watercolor Paper
150 × 200 cm
Edition 3/3
Zertifikat

Galeriepreis: € 7.900,–
Eingeliefert von Galerie Jordanow, München
Courtesy Galerie Jordanow, München


Die atmosphärisch dichten und meisterhaft inszenierten Stillleben der Künstlerin Vera Mercer wirken wie ein Tor zu einer anderen Zeit. Das Licht und die Auswahl
der Objekte referieren an klassische Stillleben malerei und doch entsteht in Mercers Übersetzung mehr als ein bloßer Medientransfer. Auf interessante Weise ist das Leben der Künstlerin mit ihrer Kunst verwoben. Vera Mercer landete qua Heirat mit Daniel Spoerri mitten in der Pariser Künstleravantgarde der 1960er Jahre. Am Anfang ihrer fotografischen Arbeiten standen zunächst Porträts von Künstlern wie Marcel Duchamp, Samuel Beckett oder Andy Warhol. Bald jedoch begann sie eigene Bereiche zu erschließen. Die Stillleben, komponiert aus Pflanzen, Lebensmitteln, Gefäßen und Vasen stammten zunächst aus der Beobachtung zufällig nebeneinanderliegender Früchte, Blumen und Schweine hälften an den Ständen des Pariser Marktes im Forum Les Halles, eine Komposition aus Verführung und Verfall, die sich tagtäglich vor ihren Augen abspielte und die sie nicht mehr losließ. Mercers kontemplativ komponierte Arbeit „Mushroom“ scheint sich dieser ersten Begegnung bewusst entgegenzustellen. Die Ausgewogenheit des Bildes ist weit entfernt vom Markttreiben in Les Halles und auch wenn die Zeit wie gefroren scheint, das Memento mori schwingt leise in der Stille mit. Die Momente in Betrachtung des Werks scheinen sich zu dehnen und doch ziehen sie weiterhin vorbei. 2011 zeigte die Kommunale Galerie Berlin Stillleben und Porträts von Vera Mercer. Das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern widmet der Künstlerin ab dem 28.11.2015 eine große Einzelausstellung.

Vera  Mercer - Mushroom, 2013

Mariko Mori
*1967 in Tokyo /Japan, lebt und arbeitet in New York/USA, London / GB und Tokyo /Japan
Breathing stone, 2008
Skulptur aus Lucite Acrylpolymer mit signierter Vorzugsausgabe des Künstlerbuches „Oneness“, 2007
14,2 × 35 × 40,8 cm
Edition 26/60 + 5 AT
Zertifikat

Galeriepreis: € 5.000,–
Eingeliefert von Dr. Cristina Steingräber Hatje Cantz Verlag GmbH
Courtesy Mariko Mori und Hatje Cantz Verlag
© 2015, Mariko Mori, Member Artists Rights Society (ARS), New York/VG Bild-Kunst, Bonn


Seit Mitte der 1990er Jahre ist das OEuvre der Multimediakünstlerin Mariko Mori von einer mystischen Suche nach der Einheit der materiellen, spirituellen und technologischen Welt gekennzeichnet. Dieses Konzept der „Oneness“ spiegelt sich auch in der Serie „Beginning of the End: Past, Present, Future“ (1995 –2006) wieder, in welcher die Künstlerin sich performativ an unterschiedlichsten Orten in einer Plexiglaskapsel inszenierte. Mit „Breathing Stone“ präsentiert Mori ein limitiertes Modell einer solchen Kapsel, welche im Inneren das Monograph „Oneness“ birgt. Mit Bezug zu der Spiritualität des Buddhismus und Shintoismus regt die Skulptur an, über universelle Themen des Seins zu reflektieren. Mori gehört zu den wichtigsten Künstlerinnen ihrer Generation. Sie ist in bedeutenden Sammlungen vertreten, darunter dem Guggenheim Museum, New York; Centre Georges Pompidou, Paris, und Museum of Contemporary Art, Tokyo. 2012 wurde sie mit einem großen Auftrag der Royal Academy of Art, London, gewürdigt.

Mariko Mori - Breathing stone, 2008

Ciara Phillips
*1976 in Ottawa/Kanada, lebt und arbeitet in Glasgow/Schottland
∩&U​, 2011
Zwei Siebdrucke auf Papier
je 139,5 × 72 cm
Edition 1/8
signiert: recto

Galeriepreis € 9.800,–
Eingeliefert von Ciara Phillips
Courtesy Ciara Phillips


Ciara Phillips gehört zu den meist beachteten, in England arbeitenden Künstlerinnen ihrer Generation. Ihre künstlerische Praxis bewegt sich zwischen diversen Konzepten, Techniken und Medien. Dazu gehören Siebdruck, Wandmalerei; Textilien und Installationen. Dabei widersetzt sie sich bewusst den Einschränkungen durch ästhetische Kategorien und bevorzugt kollaborative, experimentelle Arbeitsprozesse. Das Vokabular, dessen sie sich bedient, besteht aus einer begrenzten Palette von Formen, Schablonen und Pinselbewegungen. Improvisierendes Vorgehen steht, wie in den vorliegenden Fotoarbeiten, im Vordergrund. Es ist denkbar einfach. Eine junge Frau steckt ihre Hände in eine Stoffröhre und formt diese zu einem „U”. Der Mensch wird zur Skulptur, die Zeichen in der Landschaft setzt. Mit jeder Körperbewegung verändert sich das Verhältnis von skulpturaler Form und Hintergrund, wie das zwischen Mensch und Natur. Die Künstlerin war u.a. mit Einzelausstellungen in der Kunsthalle Bergen und dem Neuen Museum in Nürnberg vertreten. 2016 folgen Einzelausstellungen in London und Vancouver. 2014 war Phillips für den Turner Prize nominiert.

Ciara  Phillips - ∩&U, 2011

LOS 30
Otto Piene
*1926 in Bad Laasphe, † 2014 in Berlin
Barbeque, 2014
Feuergouache auf farbigem Karton
50 × 50 cm
Signiert und datiert: recto

Galeriepreis: € 39.000,–
Eingeliefert von Galerie Kronsbein
Courtesy Galerie Kronsbein
© 2015, VG Bild-Kunst, Bonn


Das einflussreiche OEuvre des deutschen Nachkriegskünstlers und ZERO-Mitgründers Otto Piene ist von einer intensiven Auseinandersetzung mit der Beziehung zwischen Kunst, Natur und Technologie gekennzeichnet. „Uns interessiert das Licht, uns interessieren die Feuer, Luftströmungen, die unbeschränkten Möglichkeiten, eine bessere, hellere Welt zu entwerfen“, so Piene. Mit Heinz Mack gründete Piene 1958 die Avantgarde-Gruppe ZERO, zu dessen Mitgliedern später auch Günther Uecker zählen wird. Als Reaktion auf den abstrakten Gestus des Informel und inspiriert von dem anbrechenden Weltraumzeitalter versteht sich ZERO als „Stunde Null” – als ein Aufbruch in neue künstlerische, spirituelle und technologische Sphären mittels einer experimentellen Form- und Bildsprache. „Barbeque“ gilt als eines der letzten Werke des im Juli 2014 verstorbenen Künstlers und veranschaulicht, wie Piene bis in seine späten Arbeitsjahre stets das künstlerische Potenzial von Licht, Luft und Feuer verfolgte. Bereits 1959 schuf Piene seine ersten „Rauchzeichungen”, welche er kurze Zeit später zu seinen unverkennbaren Feuer - bildern weiterentwickelte. Mit Hilfe brennbarer Farbpigmente und Feuer kreiert Piene auch hier ein dramatisches und zeitloses Werk, in dessen Mitte sich eine rote kreisförmige Kraterlandschaft aus Rußspuren und Brandblasen kosmisch über den leuchtend-blauen Untergrund ausbreitet. Pienes Werke sind weltweit in über 200 Museen und öffentlichen Sammlungen vertreten. 2014 wurde Piene mit Retrospektiven in der Neuen Nationalgalerie und der Deutsche Bank Kunsthalle in Berlin sowie einer Einzelstellung in der Langen Foundation, Neuss, gewürdigt. In diesem Jahr wurden seine Werkeals Bestandteil von ZERO-Ausstellungen im Guggenheim Museum, New York; dem Stedelijk Museum, Amsterdam, und dem Martin Gropius-Bau, Berlin, gezeigt. Bis Januar 2016 widmet ihm das LWLMuseum für Kunst und Kultur in Münster eine Einzelausstellung.

Otto  Piene - Barbeque, 2014

 Platon
*1968 in London,
lebt und arbeitet in New York
Yoko Ono, 1999/2015
Archival Inkjet Print
28 × 15,6 cm
Artist Proof, nicht nummeriert
Signiert: verso

Galeriepreis: € 2.500,–
Eingeliefert aus Privatsammlung
Courtesy Platon und Jablonka Galerie, Köln
Foto: Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München


Platon liebt es, Menschen zu fotografieren, ist fasziniert von der immerwährenden Versuchung, über das Abbild des Menschen in ihn hineinzublicken. Als Platon im Jahr 1999 die Künstlerin und Beatles-Witwe Yoko Ono porträtierte, quittierte diese den Versuch des fotografischen Eindringens mit dem Schließen ihrer Augen. Wie ein Kloster wirkt es, dieses weise lächelnde Gesicht – ein Ort, hinter den sich die Künstlerin zur Kontemplation zurückzieht, in friedlicher Abgeschiedenheit und Offenheit zugleich. Platon begann seine fotografische Karriere bei der britischen Zeitschrift Vogue und fand von dort einen Weg zu verschiedensten Magazinen wie dem Time Magazine und New Yorker. Er wurde vielfach ausgezeichnet unter anderem 2009 und 2010 mit den ASME Awards. Platons Werke finden sich in international renommierten Sammlungen, darunter der New York Historical Society, New York; Scotland National Portrait Gallery, Edinburgh; dem Westlicht Schauplatz für Fotografie, Wien; oder dem Florida Museum of Photographic Arts, Tampa.

 Platon - Yoko Ono, 1999/2015

David Reed
*1946 in San Diego, Kalifornien/USA, lebt und arbeitet in New York/USA
Color Study #21 For Painting #633, 2014
Öl, Alkyd und Acryl auf Styren
27,9 × 60,3 cm
Signiert: verso

Galeriepreis: € 9.300,–
Eingeliefert von Häusler Contemporary, München/Zürich
Courtesy Häusler Contemporary, München/Zürich


“The image I have in mind is of a conversation with artists of the past. We agree to disagree, but carry on a dialogue” – so erklärt David Reed seine künstlerische Auseinandersetzung mit den großen Traditionen des abstrakten Expressionismus, der Pop-Art und des Minimalismus. Seit den 1970ern hat Reed als eine der Schlüsselfiguren der zeitgenössischen amerikanischen Malerei eine exquisite Bildsprache entwickelt, die den abstrakten Gestus mittels einer von Neuen Medien inspirierten Ästhetik aktualisiert. Gestische, transparent gemalte Bewegungen, extrem gelängte Formate und kontrastreiche Farb felder sind hierbei die Hauptmerkmale seiner virtuosen Bilder. Die vorliegende Arbeit ist eine Studie für das Gemälde „#633“, welches 2015 im Hamburger Bahnhof in Berlin ausgestellt wurde. Neben zahlreichen internationalen Ausstellungen, darunter einer Retrospektive im Kunstmuseum Bonn (2012) ist Reeds OEuvre in Sammlungen wie  denen des Guggenheim Museum und des Metropolitan Museum of Art, New York, vertreten.

David  Reed - Color Study #21 For Painting #633, 2014

Fred Sandback
*1943 in Bronxville, New York / USA
† 2003 in New York / USA
Untitled, 1982
Bleistift auf farbigem Papier
21 × 29,7 cm
Signiert: verso

Galeriepreis: € 5.000,–
Eingeliefert von Galerie Fred Jahn, München
Courtesy Galerie Fred Jahn, München
Foto: Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München


Fred Sandback ist einer der bedeutendsten Bildhauer seiner Generation und als Protagonist der Minimal Art eine gewichtige Position in den Sammlungen der Pinakothek der Moderne. Seine skulpturalen Arbeiten definierte Sandback stets auf Papier, bevor er sie in den Raum übertrug. Nur in der Zeichnung konnte der Künstler diese vorgefundenen Räume in ihren Linien und Perspektiven auf die minimale Struktur seiner Skulpturen reduzieren. Heute sind Kompositionszeichnungen wie das vorliegende Blatt eine besondere Rarität. Das zeichnerische Werk Fred Sandbacks wurde 2014 in einer großen Retrospektive im Kunstmuseum Winterthur geehrt. Seine Werke sind u.a. in der Dia Art Foundation, New York; dem Metropolitan Museum of Art, New York; Centre Georges Pompidou, Paris; Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main; der Pinakothek der Moderne, München; dem Solomon R. Guggenheim Museum, New York; und dem Sprengel Museum, Hannover, vertreten.

Fred  Sandback - Untitled, 1982

LOS 12
Tomás Saraceno
*1973 in San Miguel de Tucumán/Argentinien, lebt und arbeitet in Berlin
Semi social instrument CL 1358+62 G1:built by a pair of Cyrtophora citricola-six weeks, 2015
Spinnenweben, Karbonfiber, Glas, Licht
28,8 × 17,8 × 17,8 cm
Unikat

Galeriepreis: € 25.000,–
Eingeliefert von Tomás Saraceno
Courtesy Tomás Saraceno, Andersen’s Contemporary, Tanya Bonakdar Gallery, Pinksummer Contemporary Art und Esther Schipper, Berlin

Die Abbildung zeigt ein vergleichbares Werk aus derselben Serie.


Der Ingenieur-Künstler ist ein Denkmodell der Renaissance. Es beschreibt den Künstler als konstruierenden Freigeist, arbeitend im Spannungsfeld zwischen Naturwissenschaft, Soziologie und Ästhetik. Der in Argentinien geborene Tomás Saraceno steht mit seinem Werk in dieser Tradition des forschenden Künstlers. In seinem interdisziplinären OEuvre entwickelt er soziale, architektonische und biologische Utopien, die ineinandergreifen und sich zu visionären Interaktions- und Raum modellen verdichten. So ist die vorliegende Arbeit Modell, Versuchsaufbau und Skulptur zugleich. Die Struktur des faszinierenden Werkes entwickelt der Künstler mit Hilfe verschiedener Spinnenarten, die für ihn als Architekten und Bildhauer tätig sind. Dabei greift Saraceno gestaltend in das Werk der Tiere ein, indem er bestimmte Gattungen auswählt, um deren Webformen zu kombinieren. Es entstehen architektonische Kompositionen, die ästhetisch und konstruktiv aus einer anderen Welt zu sein scheinen und als natürliche Strukturen eine Vielzahl von naturwissenschaftlichen und künstlerischen Modellen in sich vereinen. Spinnweben sind als Material von extremer Haltbarkeit und überdauern Jahrhunderte. Tomás Saraceno arbeitete im Jahr 2009 an einem gemeinsamen Projekt mit der Weltraumbehörde NASA und ist seit 2012 Stipendiat des legendären MIT Center for Art, Sience and Technology in Boston. 2016 plant das ZKM in Karlsruhe eine Ausstellung mit dem Künstler. Weiter wurden seine Arbeiten gezeigt im K21, Düsseldorf (2013 – 2015); im Metropolitan Museum of Art, New York; in der Taidehalli Kunsthalle, Helsinki; im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart, Berlin; im Kemper Museum of Contemporary Art, St. Louis, sowie im Walker Art Center, Minneapolis.

Tomás  Saraceno - Semi social instrument CL 1358+62 G1:built by a pair of Cyrtophora citricola-six weeks, 2015

Kai Schiemenz
*1966 in Erfurt, lebt und arbeitet in Berlin
Blocks VII, 2015
Glas
43 × 14 × 10 cm
Zertifikat

Galeriepreis: € 8.800,–
Eingeliefert von Kai Schiemenz
Courtesy EIGEN + ART, Leipzig/Berlin
Foto: Otto Felber


Die Glasarbeiten von Kai Schiemenz sind in ihrer Reduktion auf ein einziges Material ein Bekenntnis zu einem ästhetischen Purismus. Auch der Titel „Blocks VII“ setzt auf Reduktion. Er kommuniziert kein Deutungsangebot, sondern die nüchterne Beschreibung von Objekt und Serialität. Die mattierten farbigen Glaskuben brechen das umgebende Licht an ihren Kanten, leiten es ineinander über und konzentrieren es in ihrem Zentrum. Sie werden damit zu einem geheimnisvoll von innen heraus leuchtenden Körper, der seine äußere Klarheit mit einer erhabenen Aura umgibt. Kai Schiemenz erhielt Stipendien des Senats Berlin und der Villa Aurora, Los Angeles sowie den GASAG Kunstpreis. Seine Werke wurden ausgestellt u.a. im Kupferstichkabinett Berlin; im Westfälischen Kunstverein Münster; der Villa Romana, Florenz, und im Museum MARTa Herford. 2016 wird er mit Einzelausstellungen in der Städtischen Galerie Wolfsburg und der Galerie EIGEN + ART, Berlin, sowie beim Ausstellungprojekt „Lichtparcours“ in Braunschweig vertreten sein.

Kai  Schiemenz - Blocks VII, 2015

LOS 6
Keith Sonnier
*1941 in Mamou, Louisiana / USA, lebt und arbeitet in New York / USA
Holocene Shelf Plate C Edition – HOLOCENE SHELF PLATE SERIES, 2006
Stahl, Harz
63,5 × 30,5 × 13 cm
Unikat
Signiert

Galeriepreis: € 11.000,–
Eingeliefert von Keith Sonnier
Courtesy Keith Sonnier und Häusler Contemporary, München/Zürich
Foto: Catherina Verde © 2015, VG Bild-Kunst, Bonn


Der Maler, Bildhauer und Videopionier Keith Sonnier ist einer der bedeutendsten Vertreter der Post Minimal Art der 1960er Jahre. Mit seinem Werk hat Keith Sonnier dazu beigetragen, den Begriff der Plastik auf Raum-, Licht- und Bewegungsphänomene auszuweiten. Seine Arbeiten laden den Betrachter zu einer ganzheitlichen ein. So sind seine Lichtinstallationen und Skulpturen nicht nur visuell, sondern auch haptisch erfahrbar. In seinen frühen Jahren setzt Sonnier dafür eine Vielfalt von Materialien wie Draht, Stoff und Glas ein. Seit 1968 ergänzt er diese durch den gezielten Einsatz von Licht: Das kräftige und zugleich kühle Licht der Neonröhren kontrastiert er gekonnt mit weichen Formen und fließenden Stoffen. Große Arbeiten wie die farbige Fassadeninstallation am Kunsthaus Bregenz im Jahre 1999 und das 1,2 Kilometer lange Neonkunstwerk „Lichtweg” in der Fußgängerpassage des Münchner Flughafens schreiben sich mit großer architektonischer Raffinesse in den Raum. Das Werk „Holocene Shelf Plate C“ knüpft mit seiner kühlen Materialität an das Frühwerk des Künstlers an. Klare geometrische Formen und eine ästhetische Strenge zeichnen das Werk aus, welches durch zwei gezielt gesetzte Farbbänder seine skulpturalen Qualitäten pointiert. Sonniers Arbeiten waren in den 1960er Jahren in legendären Kunstausstellungen wie der von Harald Szeemann kuratierten Ausstellung „When Attitudes become Form“ zu sehen. Seine Werke werden seither in Gruppen- und Einzelausstellungen auf der ganzen Welt gezeigt und sind u.a. im Museum Ludwig, Köln; dem Stedelijk Museum, Amsterdam; dem MoMA, New York, und dem Centre Georges Pompidou, Paris, vertreten. In der Eröffnungsveranstaltung des neuen Whitney Museum of American Art ist er momentan mit einer wandfüllenden Lichtarbeit präsent. Keith Sonnier zählt heute zu den wichtigsten Vertretern US-amerikanischer Installationskunst.

Keith  Sonnier - Holocene Shelf Plate C Edition – HOLOCENE SHELF PLATE SERIES, 2006

Christoph Stepan
*1979 in München, lebt und arbeitet in München
Exposition, 2013
Archival Pigment Print, Objektrahmung mit Museumsglas
110 × 259 × 6 cm
Edition: 3/5 + 2 AP
Signiert: recto

Galeriepreis: € 12.800,–
Eingeliefert aus Privatsammlung
Courtesy Galerie Jahn Baaderstraße und Christoph Stepan


Christoph Stepans Interesse gilt urbanen Lebensräumen und ihrer Aneignung durch den Menschen. Mit seiner analogen Großformatkamera hält er Stadträume fest, die durch Großereignisse wie beispielsweise traditionelle Feste für kurze Zeit in einen Ausnahmezustand versetzt werden. Seine Werke, die er meist aus vielen Einzelbildern montiert, überzeugen durch großen Detailreichtum und eine sehr präzise Arbeitsweise. Die vorliegende Arbeit „Exposition” entstand 2013 auf der Baumesse „BAUMA“ in München. Nur alle drei Jahre findet diese weltgrößte  Leistungsschau der Bauindustrie statt. Baumaschinen und Kräne, die stählernen Erbauer unserer urbanen Landschaften, bilden in der großformatigen Fotografie selbst eine Stadt auf Zeit. In einem ungewohnt unbenutzten Zustand, ohne Makel und Gebrauchsspuren überragen sie die winzig erscheinenden Menschen und demonstrieren das Streben nach Wachstum und Fortschritt. Christoph Stepan war Assistent von Florian Holzherr, dem offiziellen Fotografen von James Turrell und bei dem renommierten kanadischen Fotografen Robert Polidori, den er bei Projekten in Indien, Europa und Brasilien begleitete. Zudem arbeitete er im Auftrag von führenden Architekturbüros in Europa. Seine Werke sind in Einzelausstellungen in der Galerie Alex Schlesinger in Zürich (ab dem 26.11.2015) und in der Galerie Jahn Baaderstraße in München (ab dem 14.01.2016) zu sehen.

Christoph  Stepan - Exposition, 2013

LOS 10
Florian Süssmayr
*1963 in München, lebt und arbeitet in München
Damen und Herren, 2013
Öl auf Leinwand
145 × 130 × 3 cm
Signiert: recto

Galeriepreis: € 11.300,–
Eingeliefert von Florian Süssmayr
Courtesy Florian Süssmayr
© 2015, VG Bild-Kunst, Bonn


Mit technischer Präzision und subversiver Geisteshaltung verklärt Florian Süssmayr das Gewöhnliche und Unspektakuläre. Seinen Weg in die Ölmalerei fand Süssmayr zwar erst 1997, gewann aber bereits schnell kritische Anerkennung für seine fotorealistischen Gemälde. Inspiration zieht Süssmayr aus seiner Zeit in der Punkszene der 1980er Jahre sowie seiner Arbeit als Kameramann und Lichttechniker in den 1990ern. Bewaffnet mit einer kleinen Kamera zieht der Szenekenner wie ein städtischer Archivar durch München und fotografiert Motive aus dem Alltags- und Nachtleben, die dann das Sujet seiner Gemälde liefern. Diese bilden wiederum, ihrerseits fotografiert und fotokopiert, oft die Grundlage neuer Bilder. Süssmayrs Werke wurden weltweit gezeigt, u.a.in New York, Tokyo, Zürich und Los Angeles. In München waren sie im Haus der Kunst und im Lenbachhaus ausgestellt. 2016 widmet die Kunsthalle Darmstadt Süssmayr eine Einzelausstellung, weitere Werke werden in der Stadtgalerie Kiel, dem Ludwig Mùzeum in Budapest und dem Kunsthaus Nürnberg zu sehen sein.

Florian  Süssmayr - Damen und Herren, 2013

Maria Taniguchi
*1981 in Dumaguete City/Philippines, lebt und arbeitet in Manila/Philippines
I see, it feels, 2015
Videoinstallation
120 × 69,5 × 12 cm
Edition: 1/5 + 2 AP

Galeriepreis: € 8.600,–
Die Technik (Fernseher, Media Player, SD-Karte, Kabel) ist nicht im Zuschlagspreis enthalten. 
Der Käufer kann diese optional zu einem Preis von € 1.190,– (inkl.  MwSt.) erwerben.
Eingeliefert von Maria Taniguchi und carlier | gebauer
Courtesy Maria Taniguchi und carlier | gebauer
Foto: Nick Ash


Als Bildhauerin ausgebildet, denkt die in Manila lebende philippinische Künstlerin Maria Taniguchi immer auch in räumlichen Dimensionen. Ihre Objekte changieren zwischen Bild und Skulptur. Ihre grau in grau gehaltenen, großformatigen Gemälde von Ziegelmauern lehnen wie Architekturelemente in den Galerieräumen: Aus gemalten Steinen gemauerte Wände. Auch die vorliegende Videoarbeit zeigt ein Bild, das keines ist bzw. nie seine Vollendung erfährt. Über einem schwarzweißen Motiv, das sich aus Orchideen und einem Notizbuch zusammensetzt, laufen langsam die Grundfarben, aus denen sich jede Farbabstufung mischen ließe. Die Arbeit erzählt von den Grundbedingungen, Möglichkeiten und Entscheidungsprozessen der Malerei. Im Herbst 2015 wird Taniguchi an der Asia Pacific Triennial of Contemporary Art; einer Ausstellung in der Queensland Art Gallery, Brisbane und an der Hugo Boss Asian Art Exhibition, Shanghai, teilnehmen. Sie ist für den Hugo Boss Asia Art Award nominiert. 2016 ist sie Stipendiatin von „Gasworks“ in London.

Maria  Taniguchi - I see, it feels, 2015

Brigitte Waldach
*1966 in Berlin, lebt und arbeitet in Berlin
Time burns back, 2015
Grafit und Gouache auf Bütten
146 × 140 cm
Signiert: verso

Galeriepreis: € 9.500,–
Eingeliefert von Brigitte Waldach und Galerie Bo Bjerggaard, Kopenhagen
Courtesy Brigitte Waldach und Galerie Bo Bjerggaard, Kopenhagen
Foto: Bernd Borchardt


Über Jahrhunderte erspürten Künstler in der Natur eine metaphysische Dimension. Brigitte Waldach aktualisiert Landschaft als Motiv jenseits dieser Tradition und zugleich als Denkraum. Wie in der Romantik wirkt die Rückenfigur in Waldachs Zeichnung „Time burns back“ für den Betrachter als Perspektiv- und Identifikationsfigur. Diese Figur schaut auf eine Lichterscheinung in der Bildmitte, wo sich eine Galaxie zu formen und wiederum selbst zu einem Körper zu werden scheint. Waldach verschiebt kunsthistorische Genres ins „Jetzt“, sie verbindet Historisches und Zeitgenössisches und befragt so gesellschaftliche Konventionen sowie aktuelle Themen wie Religion, Identität oder Terrorismus. Brigitte Waldach studierte an der UdK Berlin bei Georg Baselitz. Werke von ihr befinden sich u.a. in den Sammlungen der Albertina, Wien; Altana Kulturstiftung, Bad Homburg; der Berlinischen Galerie, Berlin; Kunsthalle Emden; den Staatlichen Museen zu Berlin und dem Museum Kunstpalast Düsseldorf. Sie gestaltete jüngst für die Bayerische Staatsoper München das Programmheft zu Debussys „Pélleas und Mélisande“.

Brigitte  Waldach - Time burns back, 2015

Katharina von Werz
*1940 in München, lebt und arbeitet in München
Farbspiel, 2009
Acryl auf Leinwand
135 × 90 cm
Signiert: recto

Galeriepreis: € 7.000,–
Eingeliefert von Katharina von Werz
Courtesy Galerie Fred Jahn, München
Foto: Walter Bayer


„Kugel, Bälle, Seifenblasen, Schäume, und Träume. Kunst jongliert mit ihnen, denn sie bewegt sich in späherischen Endlosräumen und ihre Zeit ist die der Ewigkeit“ – dieser Ausspruch des Philosophen Peter Sloterdijk bringt das vorliegende Werk der etablierten Künstlerin Katharina von Werz auf den Punkt. Mit „Farbenspiel“ präsentiert die in München lebende Malerin und Bildhauerin ein vielschichtiges Farbspektakel, welches mit spürbarer Lebensfreude und Dynamik pulsiert. Seit den 1970ern beschreitet Werz einen Weg fernab von stilistischen Strömungen und Trends. Naturbeobachtungen und Wahrnehmungen von Sinneseindrücken bilden den Ausgangspunkt ihres kreativen Prozesses, indem das jeweilige Motiv allmählich in ein tiefgründiges „inneres Bild“ transformiert wird. Werz ist in wichtigen Sammlungen vertreten, darunter in der Pinakothek der Moderne, der Staatlichen Graphischen Sammlung und der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, München. 2013 stellte sie in der Pinakothek der Moderne und 2014 in San Francisco aus.

Katharina v on Werz - Farbspiel, 2009

LOS 28
Amelie von Wulffen
*1966 in Breitenbrunn/Oberpfalz, lebt in Berlin
Ohne Titel (van Gogh, Trauben) und
Ohne Titel (van Gogh, Paris, Pariser Bar, Blume), 2015

2 von 8 Unikaten für die Pinakothek der Moderne
Öl auf Holz, Metall
Sitzhöhe je ca. 45 cm

Galeriepreis: € 6.200,–
Eingeliefert von Amelie von Wulffen
Courtesy Amelie von Wulffen
Foto: Lepkowski Studios, Berlin


In diesem Jahr widmet die Pinakothek der Moderne dem Schaffen der Künstlerin Amelie von Wulffen eine umfassende Ausstellung. Neben Gemälden präsentiert sie Zeichnungen, Mobiliar sowie einen Film und macht auf diese Weise ein freies Verständnis von Malerei deutlich. Nach Ausstellungen im Centre Georges Pompidou, Paris, im Kunstmuseum Basel, im Kunstverein Düsseldorf und im Aspen Art Museum ist dies seit Längerem erstmals wieder eine Museumsretrospektive der Künstlerin. Bekannt wurde Amelie von Wulffen mit Bildcollagen, bei denen  sie Malerei mit eigenen und gefundenen Fotografien kombinierte. Die frühen Werke lassen das bis heute zentrale Anliegen deutlich werden, die Grenzen des Malerischen bewusst zu erweitern. Landschaftsmotive, Porträts und Elemente aus Stillleben tauchen darin in unterschiedlichsten Maltechniken auf. Einzelne Elemente wirken wie herangezoomt, andere erscheinen durch Fragmentierungen oder Übermalungen verfremdet. Sujets von Courbet oder Marées, van Gogh oder Beckmann treten in fruchtbare Korrespondenzen mit kunsthandwerklichen Ausdrucksformen und dekorativen Oberflächenstrukturen, mit Lüftlmalerei etwa oder Basteltechniken wie Batik oder Tauchlack. Amelie von Wulffen behandelt altmeisterliche, moderne und kunstferne Malweisen gleichberechtigt und kreiert damit neue erzählerische Zusammenhänge abseits von Klischees und Erwartungen. In der Ausstellung zeigt sie – zusammen mit dem Film – auch eine Gruppe von fünf bemalten Schulstühlen, auf welche die Besucher eingeladen sind, sich nieder - zulassen. An diese Arbeiten von 2013 knüpft die Edition an, die von Wulffen anlässlich der Münchner Ausstellung geschaffen hat. Die verwandelten Schulstühle – zugleich benutzbares Möbel und Kunstwerk – sind möglicherweise als Metaphern anzusehen, sich selbst immer wieder als lernendes Wesen zu begreifen – im Bereich der Ästhetik ebenso wie im Sozialen.

 Amelie  von Wulffen - Ohne Titel (van Gogh, Trauben) und Ohne Titel (van Gogh, Paris, Pariser Bar, Blume), 2015

Craig Yu
*1978 in Glasgow, lebt und arbeitet in Chicago, IL / USA
Negative Form 15, 2014
Öl und Acryl auf Leinwand
51 × 61 cm, signiert: verso
Galeriepreis: € 2.900,–
Eingeliefert von Häusler Contemporary, München/Zürich
Courtesy Häusler Contemporary, München/Zürich


Mit „Negative Form 15“ untersucht der junge Künstler Craig Yu die fließenden Grenzen zwischen Form und Prozess, Intention und Zufall, Abstraktion und Repräsentation. Yus Stimmungsbilder sind das Ergebnis eines Prozesses, der stark an die surrealistische Praxis des Automatismus erinnert. Wie in seinen früheren „Poured Paintings“ nutzt Yu das schöpferische Potenzial des Zufalls und schüttet intuitiv schwarze und weiße Öl- und Acrylfarbe direkt auf die Leinwand. Die resultierenden Verwischungen, Rinnsale und chemischen Reaktionen ergeben eine dreidimensionale, amorphe Struktur, die vage an dickflüssige Lava oder schimmerndes Öl erinnert. Durch das Verwischen der Grenzen zwischen Figuration und Abstraktion möchte Yo den Betrachter anregen, die Beschaffenheit unserer Wahrnehmung zu hinterfragen. Yus Arbeiten wurden bisher international gezeigt – 2014 u.a. im Elmhurst Art Museum, IL, USA – und sind in der Staatlichen Graphischen Sammlung in München vertreten.

Craig  Yu - Negative Form 15, 2014